„Hört ihr’s?“ ermahnte Doktor Bolten. „Also vorsichtig, solchen Menschen gegenüber. Hier und in den Australischen Inselgruppen können wir keine weiten Landreisen unternehmen; es kommen zu wenig Weiße hin, als daß die Eingebornen wie in Afrika und auf Madagaskar oder Java an eine Bestrafung ihrer Mordthaten denken sollten. Celebes hat, so viel ich weiß, nicht einmal einen namhaften Hafen?“
„Nur Makassar!“ nickte der Kapitän. „Dahin aber kommen wir nicht. Unser Weg führt uns zu den Orang-Badju, welche in einer stillen Bai auf dem Wasser leben und zwischen ihren Pfahlbauten nur in Booten verkehren, und zu den Alfuren nach Menehasse.“
„Und wann gelangen wir etwa dorthin?“ fragten neugierig die jungen Leute. Der Gedanke an ein Dorf auf dem Meer hatte ihr Interesse im höchsten Maße erweckt.
„In acht bis zwölf Tagen,“ war die Antwort.
Das schien zwar vorerst eine lange Zeit, aber Borneo hatte hinreichendes Material geliefert, das präpariert werden mußte, und so war nicht zu fürchten, daß Langeweile ihren Aufenthalt an Bord nehmen würde.
Einige der geschossenen Vögel mußten abgebalgt werden und anderseits galt es, die an Ort und Stelle gewonnenen Häute tüchtig mit Arsenikseife einzureiben, denn in etlichen zeigten sich schon zerstörende Maden und Würmer. Auf Borneo hatte Holm den Baya erlegt, den berühmtesten aller Webervögel, der aus Grashalmen ein Nest zusammenflechtet, das aussieht wie die Retorte des Chemikers. Meistens hängt er sein Nest an die Palmen an, in Birma aber, wo dieser Vogel auch vorkommt, nistet er an den Häusern und Hütten, ohne Furcht vor den Menschen zu äußern, und oft sieht man dort an den Wohnungen der Eingebornen zwanzig bis dreißig solcher Nester hängen.
„Ähnlich wie bei uns die Nester der Schwalben,“ warf Hans ein, „denen niemand etwas zuleide thut und die sogar auf dem Flur der Bauernhäuser sich friedlich ansiedeln.“
„Merkwürdig ist noch der Umstand, daß dieser Vogel Lehmklumpen in sein Nest einträgt, die oft ein Gewicht von hundert Gramm haben,“ sagte Holm, „und deren Zweck zu sein scheint, das Nest im Gleichgewicht zu halten, wenn der Wind heftig daherweht.“
Prachtdrosseln waren in mehreren Arten erlegt; darunter der Pulih, dessen Oberseite metallisch grün, Schwanz und Flügel schwarz, Spitzen der Flügel und des Schwanzes mattblau, Kehle rosenrot, Oberbrust gelblich, Unterbauch scharlachrot ist. Der nur auf Borneo lebende seltene Kellenschnabel war von Franz geschossen worden, der ihn auch eigenhändig abbalgte und einseifte. Von Taubenarten war man so glücklich gewesen, die reizende Sperbertaube und die prachtvolle Mähnentaube zu schießen, die in den glänzendsten Farben prangt. Der Kopf, der Hals und die ganze Unterseite sowie die Schwingen sind schwarzgrün, die Federn der Unterseite kornblumenblau gesäumt und die langen, mähnenartigen Federn des Halses grasgrün und goldschimmernd. Das Auge ist licht rotbraun. Auch hatte Hans glücklicherweise ein Exemplar des Maleo erlegt, ein Buschhuhn, das ähnlich wie der Strauß seine Eier in den Sand legt und von der Sonnenwärme ausbrüten läßt.
An gefangenen Buschhühnern hat man das Brutgeschäft genau beobachten können. Das männliche Buschhuhn beginnt beim Herannahen der Brutzeit innerhalb seines Geheges alle nur irgendwie vorhandenen Pflanzenstoffe zusammenzuscharren, indem es dieselben mit dem Fuße nach hinten wirft, und zwar immer einen Fuß voll auf einmal. Da es seine Arbeit stets am äußeren Rande des Geheges anfängt, so wird die Masse nach innen in den Kreis geworfen und allgemach zum Haufen aufgetürmt. Sobald dieser eine Höhe von etwas über einen Meter erreicht hat, machen sich beide Vögel daran, ihn zu ebnen, und wenn dies geschehen, höhlen sie im Mittelpunkte eine Vertiefung aus. In letzterer werden zu bestimmten Zeiten die Eier niedergelegt und ungefähr vierzig Zentimeter unter dem Gipfel in einem Kreise geordnet. Die verfaulenden organischen Stoffe entwickeln nun, in ähnlicher Weise wie im Mistbeet, eine nicht unbeträchtliche Wärme. Das Männchen beaufsichtigt den Hergang der Entwickelung und namentlich den Zustand der Wärme des natürlichen Brütofens sehr sorgfältig. Es bedeckt gewöhnlich die Eier und läßt nur eine runde Öffnung, durch welche die den in der Brut befindlichen Eiern unumgänglich notwendige Luft nach unten gelangt und durch welche eine übermäßig gesteigerte Wärme gemildert wird. Bei heißem Wetter aber nimmt es zwei- oder dreimal täglich fast die ganze Decke weg, damit die Eier nicht zu heiß werden.