„Sehen Sie einmal dahin, junger Herr! Rechts auf Ihrem Teller lebt das Gericht noch und will eben jetzt mit geknickten Beinen Reißaus nehmen, — Heuschrecken, sage ich Ihnen, leibhaftige Heuschrecken.“
Und so war es wirklich. Zu Tausenden auf dem Felde eingefangen, wurden diese Tiere von den Wilden zwischen zwei flachen Steinen zermalmt und mit etwas Fett und Gewürz einige Augenblicke lang der Hitze ausgesetzt. Daß dabei das eine oder andere arme Geschöpf nur halb getötet worden und noch lebend und zappelnd in die Glutpfanne gelangt war, — nun das ließ sich nicht ändern. Es schmeckte auch roh gut, wenigstens verspeisten die reichlich umherspielenden Kinder mit Behagen jedes Insekt, das ihnen über den Weg lief.
Den Deutschen war der Appetit gründlich vergangen. Etwas anderes als das graugrüne, unangenehme Gemisch vor ihnen gab es in dem Negerdorf nicht, was blieb daher übrig, als zur Unglücksstätte zurückzufahren und ein tüchtiges Stück Fleisch des erlegten Dickhäuters herbeizuholen? Gedacht, gethan! Zwei Matrosen mit den Knaben ruderten wieder stromauf, während die beiden anderen bei den durchnäßten Gewehren Wache hielten und dieselben so gut als es ging von dem eingedrungenen Wasser reinigten. Als die Abgesandten mit einem tüchtigen Braten beladen wieder anlangten, wurde ein starkes Feuer entzündet, Pfefferkörner und Salz mit einigen frischen Lorbeerblättern, einer Zwiebel und einer Menge grüner Bohnen, die reichlich rings umher wuchsen, zum Feuer gesetzt und das abgewaschene Fleisch hinzugethan. Ein Matrose spielte den Koch und gab ganz ernsthaft den übrigen seine Befehle. „Sie, junger Herr, pflücken Sie gefälligst ein paar reife Melonen, die ich dort in großer Menge wachsen sehe, und Sie, besorgen Sie für die Gesellschaft einige Teller! Flache Steine wären mir aber bei meiner armen Seele lieber als Blätter, denn ob das Fleisch sehr mürbe werden wird, steht einstweilen noch dahin, — wir müssen es vielleicht nachdrücklich mit dem Messer bearbeiten. So, jetzt wäre die Hauptsache gethan. Im Fall es ein Schweinebraten sein sollte, müssen wir uns Zwiebel und Lorbeer, im Fall es ein Pferdebraten ist, die Bohnen hinwegdenken. Ein weiser Haushalter bereitet sich vor auf alle etwa eintretenden Verhältnisse, und wer noch keinen Hippopotamus verspeisen half, der kann nicht wissen, wie er schmeckt. Ich habe gesprochen!“
Die übrigen lachten. Wie der helläugige, spitzbübisch lächelnde Sohn Hammonias mit untergeschlagenen Beinen, den Eisenlöffel in der Hand, vorm Feuer saß und Befehle gab, die alle sofort befolgt wurden, da schwand aus den Herzen der letzte Schatten des Unbehagens, Franz pflückte Beeren und Früchte verschiedenster Art, Hans sammelte Nüsse für den Nachtisch, ein Matrose zerrieb zwischen zwei Steinen die reifen Maiskörner, um Mehl für einige Klöße zu gewinnen, und der letzte suchte die nötigen Teller zusammen, welche dann im Flusse erst einer gründlichen Reinigung unterzogen wurden.
Als Franz zur Feuerstelle zurückkehrte, hob der Matrose den Deckel vom Topf. „Nun, junger Herr, wonach riecht’s?“
Franz beugte sich über die wallenden Dampfwolken. „Nach etwas außerordentlich Gutem, Maat! Ich glaube, es wird ein Schweinebraten!“
Er nahm mit dem Taschenmesser eine Bohne aus dem brodelnden Gemisch heraus und aß sie mit Behagen. „Noch nicht gar,“ erklärte er, „aber sehr schön schmeckend. Ob wohl diese schwarzen Menschen gar keine Gemüse essen?“
„Das wollen wir gleich sehen.“ Und der Koch nahm aus dem Gefäß einen Löffel voll Bohnen, den er zierlich gegen eine der anwesenden Frauen vorstreckte. „Diese ehrenwerte Madame oder das gnädige Fräulein — man weiß hier nicht so recht, wie es mit den Titeln steht — hat schon seit einer Stunde heimlich die Heuschreckenpastete benascht,“ sagte er, „immer wenn ich zur Seite sehe, schwebt so ein unglücklicher Grashüpfer zwischen den schwarzen Fingern und den greulichen, spitzgefeilten Zähnen, die edle Dame muß also einen gewaltigen Hunger im Kamisol haben. Don’t schenir you!“
Mit dieser letzteren, aus englisch und deutsch in freier Bearbeitung zusammengesetzten Ermunterung bot er der Negerin den Inhalt des Löffels, aber eine hastige, abwehrende Antwort, nur dem Tone nach verständlich, schallte ihm entgegen. Die Schwarze wandte sich schaudernd ab.
Der Matrose zuckte die Achseln. „Kann dir nicht helfen, meine Schöne,“ sagte er, „es kommt im Leben allemal auf den Geschmack an. Was thut ihr denn aber mit den Bohnen, he?“