„Dort schwimmen mehrere,“ rief Franz, — „wie hübsch doch die Dinger in so weiter Entfernung aussehen, wie schade, daß wir diesen Anblick nicht auch unseren Freunden in der Heimat ermöglichen können. Diese Geschöpfe lassen sich ja nicht transportieren, wie wir uns eben selbst überzeugt haben.“

„Und wegen dieser buntschillernden Quallen eine gefährliche Reise anzutreten, ist nicht jedermanns Sache,“ sagte Doktor Bolten. „Was nützten mir auch alle Wunder und Schönheiten der Natur, wenn die Wilden meine letzte Brille gestohlen hätten. Ein wahres Glück, daß ich noch ein Paar Augengläser habe, andernfalls wäre es einerlei, ob ich hier wäre oder in Dockenhude.“

Alle lachten über den Doktor, der die letzten Worte in einem etwas kläglichen Tone gesprochen hatte. Dann fragte Holm: „Wie würden wir es wohl anfangen, um auch unseren Landsleuten daheim eine Vorstellung von der Farbenpracht und dem Aussehen solcher Geschöpfe zu geben, die im Tode ihre Schönheit verlieren? Viele farbenprächtige Fische büßen, sobald sie sterben, ihren Glanz und Farbenzauber ein, wie z. B. die blau und rot schillernde Meerbarbe, die schon den alten Römern als Delikatesse bei ihren Schwelgereien galt. Ja die Meerbarbe wurde sogar vor den Augen der Gäste getötet, die sich an dem wechselnden Farbenspiel, welches das Tier beim Sterben zeigt, ergötzten. Wer von euch,“ wandte er sich wieder zu den Knaben, „kann mir nun sagen, auf welche Weise es möglich ist, das Vergängliche für die Mit- und Nachwelt aufzubewahren?“

Die Knaben sannen nach. „Man setzt die Quallen und Fische in ein Aquarium,“ rief Hans.

„Das wäre ein Ausweg,“ entgegnete Holm, „der wohl für einzelne Fälle, aber nicht für alle passen würde. So lebte früher, gegen das Ende des sechzehnten Jahrhunderts, auf der Insel Mauritius eine Art von großen, unbeholfenen Vögeln — die Dronte — die nunmehr ganz ausgestorben ist. Wir würden gar keine Kenntnis von der Gestalt dieses merkwürdigen Vogels haben, wenn nicht ein damals lebend nach London geschickter Dronte von einem Maler — porträtiert worden wäre.“

„Ich hab’s,“ rief Franz, „man muß solche Gegenstände, die sich nicht erhalten und transportieren lassen, naturgetreu zeichnen und malen.“

„Ganz recht,“ bestätigte Holm, „und deshalb habe ich auch einen Tuschkasten mit den feinsten Farben und alles zum Zeichnen und Malen Erforderliche vorsorglich mitgenommen. Später werden wir auch besonders interessante und wichtige Landschaften, Bäume, Felsen, Wohnungen der Wilden und diese selbst mittels eines photographischen Apparates aufnehmen, der uns nachgesandt werden wird.“

„Und wenn unsere Zeichnungen und Abbildungen gut ausfallen, finden sie Platz in naturwissenschaftlichen Werken,“ rief Franz voll Freude, „ich hätte Lust, jetzt gleich eine zweite Qualle zu fangen und sie zu konterfeien in Form und Farbe.“ Er ging rasch zu Papa Witt, um ihn von seinem Vorhaben in Kenntnis zu setzen.

Der Alte schüttelte den Kopf und antwortete nicht.

„Sind Sie ungehalten über mich, Papa Witt?“ fragte Franz.