[§. 131]. Diese Zerstörung der innern Haut der ersten Wege trift nicht nur bei der eigentlichen meuchelmörderischen oder der melancholischen Selbstvergiftung ein, sondern auch bei dem innerlichen sorglosen Arzneigebrauche dieses Giftes. Die von schleichendem Arsenikgifte bewirkten Zufälle können wir in der tödlichen Krankengeschichte einiger Päbste und hohen Fürsten nachsehn, sie sind ein almähliges Absterben ohne heftige und schnelle Symptomen ein namloses Uebelbefinden, Verfall der Kräfte, kleine unmerkliche unordentliche Fieberanfälle, Schlaflosigkeit, Widerwillen gegen Speise und Trank und alles Angenehme des Lebens, erdfahles Ansehn, u. d. g. Die Szene beschliest, Wassersucht, schwärzlicher Frieselausschlag, Eklampsie, oder kräfteschmelzender Schweis und Durchlauf. Der fortgesezte innerliche Arzneigebrauch arsenikalischer Mittel wirkt ähnlich.
[§. 132]. Obgleich Operment und seine Nebengattungen nur gröstentheils in gröserer Gabe tödlich werden und fast stets nur eine Vergiftung des zweiten Grades, zuweilen des dritten Grades verursachen, so bestimt uns doch ihre Schädlichkeit, sie unter den Arsenikgiften mit abzuhandeln. Es giebt keinen Zufall der übrigen Arsenikvergiftungen, der nicht durch diese, ob gleich mildern, Gifte veranlast und hervorgebracht worden wäre, wie eine Menge Beispiele[61] bezeugen. Die Zerstörung der innern Häute der ersten Wege, so wie die Symptomen des Uebergangs dieses Giftes in die zweiten Wege, Kontraktur, Lähmung,[62] Arsenikfriesel, Konvulsionen u. d. g. sind ihnen nicht weniger wie dem Fliegenstein und dem weissen Arsenik eigen.
[§. 133]. Die Zufälle des äusserlichen Gebrauchs[63] auf der unversehrten Haut,[64] wie die ebendesselben auf wunde oder eiternde Stellen der äusserlichen Theile sind völlig mit denen eins, die auf innere Vergiftungen folgen, keinen ausgenommen.[65] Nur sind die chronischen Arsenikzufälle seltner, und wenn der Tod erfolgt, kömt er sehr schnell, wie beim ersten Grade, fast nie wie beim zweiten. Im ersten Falle ist eine Einsaugung des Giftes in die Säftmasse, im lezten ein algemeiner Eindruk auf das Empfindungssystem sichtbar.
[§. 134]. Die jählinge Einathmung einer Menge Arsenikstaubs oder Rauchs[66] ist gewöhnlich von den heftigsten und reisendsten Symptomen begleitet;[67] die almähliche Einsaugung beider aber von höchstbeschwerlichen und langwierigen, von etwas verschiedner Natur. Bei lezterer ist die Ausdörrung aller schmeidigen Säfte des Körpers, Lungensucht, Zittern, Kontraktur und Lähmung[68] am sichtbarsten.
[§. 135]. Von lezterer Art sind die Zufälle der mit Bereitung des Weiskupfers[69] mit dem Farbsieben[70] in Blaufarbenwerken, der daselbst bei den Rostöfen[71] und bei der Verpakung und Pülverung dieses Giftes beschäftigten, der Arbeiter beim Fegen der Giftfänge, der Bergleute[72] in arsenikreichen Gruben, derer die mit[73] Pochen, Scheiden und Aushalten solcher Erze sich beschäftigen und der Mahlern[74] und Farbenreiber,[75] die mit Rauschgelb und Operment umgehn, so wie überhaupt aller Personen in deren Gewerbe dieses Gift vorkömt. Alle ziehn durch Einathmen, durch Verschlucken des mit Giftstaub gemischten Speichels und durch die einsaugenden Oefnungen der Haut ihre Krankheit oder ihren Tod ein.