»Kurt, komm' doch!«
»Mag nicht!« Er stieß es mürrisch aus und warf sich unwirsch auf die andere Seite.
»Komm doch!« ermuntert der Herangetretene eindringlich bittend – und da der andere nichts entgegnet, nur heftig mit dem Fuß ausschlägt, verliert der kleine Freund den Mut und schiebt sich rücklings gehend fort – dem Spiele zu.
Kurt liegt eine kleine Weile regungslos – die Augen in die Arme vergraben – auf dem Rasen. Von ferne hallen Rufe heller Stimmen zu ihm – er hört das Aufschlagen der geworfenen Bälle – das Schreien und Fallen und Stoßen der erregten Kinder und zwischendurch des Lehrers Stimme.
»Na – fängt denn keiner?«
Kurt hat den Kopf emporgerichtet. Die dunkeln Augen sehen gespannt dem Spiele zu. Wie sich alle schieben – wie sie rennen, um den Ball beim ersten Wurf zu fangen! War's denn so schwer, daß selbst der Max – Plötzlich mit einem Sprung steht er auf seinen Füßen; noch ehe er selbst sich über sein Vorhaben klar wird – ist er im Kreise derer – die da um den Ball wetteifern. Kühn, aufrecht – fest entschlossen steht der kleine Bursche da. Die Klasse sollte sehen, ob es jedesmal der Max sein mußte, der – –
»Eins! Zwei! Los!« Der Ball fliegt hoch und wieder nieder. Wild schreiend schieben sich die Kinder aneinander. Sie beugen sich zurück und vor und strecken ungestüm die Hände aus, und aus dem dichten Haufen lärmender, erregter Kinder windet sich ein einziges los, streckt sich triumphierend ein energischer Arm empor.
Kurt Henning hat den Ball.
»Er hat ihn nicht beim ersten Wurf gehabt!« ruft eine Stimme laut, und es entsteht ein lautes Lärmen, und Protest erhebt sich.
»Max Roland hatte ihn zuerst; dann fiel er hin – und dann nahm ihn Kurt Henning auf!« schreit der Ankläger von vorhin.