Unsere Hausapotheke soll vier Hauptabteilungen oder Hauptfächer und einige kleinere Nebenfächer enthalten.
In die Hauptfächer stellen wir:
- in das erste die Tinkturen,
- in das zweite, größte, die Teesorten,
- in das dritte die Pulver,
- in das vierte die Öle.
In die Nebenfächer kommt wieder gut geordnet alles andere, was nicht unter obige vier Abteilungen fällt. Auch die Leinwandabfälle zum Überbinden und Überlegen (stets rein und frisch), die Baumwolle usw. können eines der Nebenfächer einnehmen.
Die Tinkturen und die Öle müssen in Gläsern aufbewahrt werden, die verschiedenen Tee und Pulver entweder in festen Papierdüten oder besser in Schachteln. (Wer neue machen läßt, soll sie länglichrund und gleichmäßig, wenn auch in verschiedenen Größen, machen lassen, daß sie dastehen wie Soldaten in Reih und Glied. Das macht einem jeden Freude und gibt der Hausapotheke ein Ansehen — und das gehört ihr auch.) Alles an einem kühlen, jedoch nicht feuchten (daß sich nicht Schimmel ansetze) und nicht allzu abgelegenen Orte im Hause!
Auf einem jeden Glase oder Fläschchen, auf jeder Schachtel oder Düte soll genau und für jedermann gut leserlich die Aufschrift des Inhaltes stehen. Am besten werden sodann die verschiedenen Heilmittel in jeder Abteilung alphabetisch, d. i. nach dem ABC geordnet. Was mit A anfängt (z. B. Alaun), marschiert am Anfang auf, was mit Z beginnt (z. B. Zinnkraut), bildet den Schluß der Reihe.
Vor allem soll in der Hausapotheke große Ordnung sein. Jeder Fremde, welcher dieselbe bisher nie gesehen, muß im Augenblick jedes Fläschchen, jeden Tee usw. finden. Dann muß große Reinlichkeit herrschen. Auf keiner Schachtel darf, ich will nicht sagen liniendicker, es darf gar kein Stäubchen liegen; an keiner Flasche, selbst nicht an einer Ölflasche dürfen Schmutz- oder Ölflecke wie nachlässig gekämmte Haare herunterhängen. Nichts entehrt ein Haus mehr als Unreinlichkeit; merke wohl: nach zwei Dingen hauptsächlich beurteilt man — und zwar mit vollem Rechte und meistens sehr wahr — das ganze Haus. Sind diese in Ordnung, so ist, schließt man, alles in Ordnung. Sind sie unordentlich, so heißt’s: in diesem Hause, in dieser Wohnung müssen die Einwohner recht unordentliche Leute sein. Willst du die beiden Dinge wissen? Sie heißen:
Hausapotheke und Abort.
Am besten wird es mit der Ordnung der Hausapotheke bestellt sein, wenn die Hausmutter oder ein fleißiger Sohn oder die reinlichste und ordnungsliebendste Tochter die Sorge und Verantwortung übernimmt. Sie wird die pünktlichste, gewissenhafteste Reinlichkeitspflege als Ehrensache betrachten und den Staublumpen stets in einer Ecke bereit liegen haben. Wenn sie ihr Amt gut verwaltet, das ja fürs ganze Haus, für alle Glieder desselben von Segen ist, darf sie mit Freuden an jenes Wort des göttlichen Heilandes denken: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Was so eine kleine Hausapotheke annähernd enthalten soll, habe ich am Ende dieses zweiten Teiles angegeben.[20] Ich rate ab von allem nicht Notwendigen. Man kann gelegentlich das eine oder andere Mittel beifügen.