Welche Freude, wenn Kinder das erste Erdbeersträußchen den Eltern, dem Lehrer, dem Pfarrer bringen! Welcher Genuß, wenn als Nachspeise (mit oder ohne Wein) der erste Teller kühlender Erdbeeren auf den Tisch gebracht wird!
Nicht allein die Früchte dieses kleinen, so überaus fruchtbaren Pflänzchens sind gerne gesehen; auch die Blätter sammelt und trocknet manche, für ihre schwachen Kleinen besorgte, von schwerer Arbeit heimkehrende Mutter, denn Erdbeerblätter, das weiß sie, sind ein gutes, gesundes und so ein überaus billiges Nährmittel.
Wie bereitet sie diesen Tee? Sie nimmt Erdbeerblätter, soviel sie mit drei bis vier Fingern fassen kann, schüttet ungefähr einen halben Schoppen (ein Viertelliter) siedendes Wasser daran und deckt beides gut zu. Nach 15 Minuten gießt sie den Tee ab und sie hat reinen Erdbeerblättertee. Dann mischt sie daran heiße Milch, etwas Zucker und das Tränklein ist fertig.
Würde die Mutter statt des dritten oder vierten Teiles der Erdbeerblätter Waldmeister (Asperula odorata L.) nehmen, so gewänne der Tee an Geschmack und Gehalt.
Die Erdbeeren selbst sind als Gesundheitsmittel gar nicht zu unterschätzen. Man gebe dieselben besonders Rekonvaleszenten, die große Schwäche und Entkräftung nach schwerer Krankheit spüren; man gebe sie verbunden mit anderen Nahrungsmitteln. Wer im Sommer längere Zeit hindurch, gleichsam zum Kurgebrauch, täglich z. B. einen Schoppen Milch mit einem halben Schoppen Erdbeeren vermischt, (wie man dieses in Süddeutschland vielfach tut) oder täglich zweimal ein Stück guten Roggenbrotes mit je einem Viertelschoppen Erdbeeren genießt, wird bald die überaus wohltuende Wirkung verspüren, die neben der Kräftigung auch in Blutreinigung besteht. Werden die Erdbeeren eingekocht wie Kirschen, Weichseln, Amorellen usw., dann kann obige Kur mit bestem Erfolge selbst im Winter vorgenommen werden.
Bei innerer Hitze leisten Erdbeeren im Sommer selbst Kranken die besten Dienste. Welch’ herrliches Refrigerans, d. i. kühlendes Labsal, kann dem Lechzenden damit gereicht werden!
Gries- und Steinleidenden werden vielfach täglich gleichmäßige Portionen von Erdbeeren empfohlen.
Dasselbe gilt für Leberleidende (täglich in verschiedenen Malen, bis zu zwei Schoppen) und für solche, die mit aus dem krankhaften Blute herrührenden Ausschlägen behaftet sind. (Morgens und nachmittags je einen Schoppen.)
Es ist merkwürdig, wie gerade diese Frucht von der Erde den Menschen so reichlich gereicht wird. Daß unser Verständnis und unsere Dankbarkeit der liebevollen Freigebigkeit ihres und unseres Schöpfers jederzeit entsprechen möchte!
Fenchel. (Foeniculum officinale All.)