Der Blutsturz, den die Verletzung eines edleren Blutorganes zur Folge hat, sei hier nur erwähnt. Da hat gewöhnlich alle Hilfe ein Ende. Meistens tritt plötzlicher Tod ein.
Hier ein Wort über das Nasenbluten. Viele Menschen haben sehr häufiges Nasenbluten und machen sich nichts daraus, weil es ihnen darauf „wohl“ wird. Dennoch ist und bleibt dieser Zustand ein ungesunder, dem sicher früher oder später eine schwere Krankheit folgen wird. Abgesehen von allem andern muß notwendigerweise allmählich Blutarmut, schwaches Blut usw. eintreten und damit die bekannten Zustände: Angst, Furcht, Erschrecken, Ängstlichkeit, Skrupulantentum der verschiedensten Art. Als gute stillende Mittel beim Nasenbluten werden häufig gepriesen: den Betreffenden ohne sein Wissen zu erschrecken, ihm Wasser ins Genick zu gießen, ihn verschiedene Haltungen des Kopfes einnehmen zu lassen.
Ich bin gegen all diese oft das Gegenteil bewirkenden Manöver. Das einzig Richtige scheint mir zu sein, daß man den Blutlauf in geregelten Gang zu bringen sucht, das übermäßig zum Kopfe steigende Blut in den Unterleib und in die Füße lenkt, die bei solchen Zuständen regelmäßig blutarm sind, woraus sich dann später allerhand Schwächen und Gebrechen ergeben.
Zu dieser Ableitung des Blutes nach unten helfen vortrefflich: anfangs ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 15 Minuten lang, in der Woche zwei- bis dreimal; desgleichen wöchentlich 2–3maliges Gehen auf nassen Steinen und 2–3 kurze Wickel. Ist die Natur erst erstarkt, so tun weiter vorzügliche Dienste der Ober- und Unterguß und Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers, wöchentlich je eine Anwendung.
Ein Nasenbluten gibt es, das nicht bloß bedenklich ist, sondern leicht den Tod bringt. Ein Mädchen von 15 Jahren, das in der Zeit der Entwicklung war, verblutete vollständig innerhalb 2 Stunden. Wie durch eine Röhre strömte alles Blut aus der Nase, das Bluten endete mit dem Tode (sog. Bluterkrankheit).
Mir selbst kam der Fall vor, daß ein Mädchen von 16 Jahren in ungefähr 1½ Stunden durch die Nase drei Lavoirs reines Blut verlor. Die zunehmende Totenblässe und die anrückende Schlafsucht ließen das Ärgste befürchten. Nachts 2 Uhr wurde ich schleunigst gerufen, die Verblutende zum Sterben vorzubereiten. Alle Hausmittel waren erschöpft, ein Arzt nicht zur Stelle. Ungesäumt ließ ich ½ Gießer mit Wasser auf den Kopf spielen, die andere Hälfte auf den oberen Rücken. Fast augenblicklich hörte das Bluten auf. Das Mädchen lag mehrere Stunden ruhig, aber in seiner Schwäche mehr oder weniger bewußtlos da. Kaum hatte es sich etwas erholt, so meldete sich das Nasenbluten wieder. Der Guß wurde wiederholt und erzielte dieselbe Wirkung. Zur Hebung der Schwäche nahm die Kranke — Appetit und Durst fehlten gänzlich — jede halbe Stunde 2–3 Löffel Milch; nach 2 Tagen konnten bereits Kraftsuppen folgen, die, im Wechsel mit Milch und in überaus geringen Portionen genommen, allmählich dem so arg geschwächten Körper etwas aufhalfen. Der Oberguß wurde täglich pünktlichst vorgenommen. Die Blutungen blieben aus, dagegen meldete sich binnen kurzem ein recht guter Appetit. In 4–6 Wochen erholte sich die Kranke sichtlich, in einem halben Jahre fühlte sie wohl im Innern noch Schwäche, im Äußern war das Aussehen blühend wie früher. Die beginnende Entwicklung mag, wie im ersten Fall, Ursache der Blutung gewesen sein.
Blutfluß.
Ein Hausvater kommt und erzählt folgendes:
„Meine Frau hat schon länger den Blutfluß und ist am Sterben; bis ich heimkomme, ist sie vielleicht schon gestorben. Ärztliche Hilfe gibt es keine mehr. Gibt’s denn gar kein Mittel?“