Ein Verwalter erzählt: „Ich habe Jahre lang heftige, mitunter fast unausstehliche Schmerzen, viel Bauchweh und Grimmen. Ich kann schon längere Zeit gar nichts mehr essen ohne heftige Schmerzen und habe regelmäßig Abweichen darauf. Ich habe recht viel eingenommen, Hilfe wenig oder höchstens auf kurze Zeit bekommen.“ Das Aussehen dieses Mannes in den schönsten Jahren ist recht krankhaft. Er ist abgemagert, hat blasse Farbe und trübe Augen. Was mag helfen?

Dieser Mann hat in jeder Woche 1) drei Sitzbäder genommen, 2) jeden Morgen und Abend Brust und Unterleib mit Essig und Wasser kräftig eingewaschen, 3) in der Woche ein Halbbad genommen, eine Minute lang.

In vier Wochen war der arme Mann von seinem Magenleiden befreit. Eingenommen hat er bloß täglich zweimal jedesmal zwölf Wermut-Tropfen im warmen Wasser.

Darmkatarrh (Abweichen, Diarrhöe).

Es gibt Leute, welche ohne besondere Veranlassung Diarrhöe bekommen. Die Wiederholung kann regelmäßig, z. B. zu gewissen Zeiten, ein- bis zweimal im Jahre, oder unregelmäßig stattfinden. Die Betroffenen fühlen sich vor und nach den Anfällen wohl und gut. Die regelmäßigen Diarrhöen rühren daher, daß die kräftige Natur all die gesammelten überflüssigen Stoffe auswirft. Wie ruhig arbeitet man, wenn an einem Dampfkessel ein Sicherheitsventil angebracht ist! Wie ruhig darf man sein, wenn die Natur gleich diesem Kessel das „Zuviel und Ungesund“ ausspeit!

Gegen derlei Diarrhöe habe ich durchaus nichts zu verordnen; ich warne sogar, dagegen etwas zu tun. Meistens kommen diese Ausscheidungen im Herbst oder Frühjahr vor, und uns scheint, daß die Luft, die Temperatur gut einwirken und mithelfen.[31]

Beachtenswerter sind die unregelmäßigen Diarrhöen, die mit oder ohne Schmerzen stattfinden können. Es sind Mahnungen für solche Leute, daß in ihrem Körper sich krankhafte Stoffe angesammelt haben, die, wenn sie nicht entfernt werden, häufig Verderben anrichten. Man macht in der Tat die Erfahrungen, daß bei derart Heimgesuchten meistens das eine oder andere Organ krank ist, und daß solche Kranke sehr oft früh sterben oder wenigstens nicht besonders alt werden. Oft sind die Diarrhöen Vorboten von schweren Krankheiten. Bei der Heilung muß vor allem auf den Unterleib gewirkt werden, doch stets im Wechsel mit Anwendungen auf den ganzen Körper. Plötzliche Stillung der Diarrhöe ist nie zu empfehlen; es sollen die faulen Stoffe allmählich entfernt und die inneren Organe so gekräftigt werden, daß die Natur solch faule Stoffe gar nicht aufkommen läßt oder sie zur rechten Zeit ausscheidet.

Nach innen wende man Tee an von Wermut mit Salbei, von Tausendguldenkraut mit Salbei, von Schafgarbe mit Johanniskraut, täglich ein bis zwei kleine Tassen; oder man nehme täglich sechs bis zehn Wacholderbeeren. Alle die genannten Mittel befördern die Verdauung, unterstützen die Magensäfte und enthalten zugleich Nährstoffe.

Sollte die Diarrhöe stark sein und schon länger dauern, so werde zweimal täglich ein halber Löffel voll Heidelbeergeist (in warmem Wasser) eingenommen.