Eine solide Heilung wird nur möglich sein, wenn dieser Giftstoff, der alles durchfressen hat, aufgelöst, ausgeleitet und der Körper dergestalt gekräftigt ist, daß er solche fatale Säfte nicht mehr aufkommen läßt. Mäuse vertilgt man mit Mausgift. Und das Gegengift für unser Gift, in welcher Materialienhandlung ist es zu kaufen? Mancher würde es gut bezahlen. Für künstliche Mittel ja, besonders wenn sie noch neu und unbekannt sind, zahlt man sein teures Geld; für die natürlichen und besten Mittel aber weiß man dem Geber alles Guten oft kaum ein kaltes „Deo gratias“, „Gott sei Dank!“
Im klaren Quell, im Bache, im Brunnen fließt das vielvermögende Heilmittel, das wir meinen. Es ist das Wasser. Wie soll das Wasser heilen? So höre! Wenn die Hausmutter ihre Leinwand bleichen, d. i. ihr das blendende Weiße geben will, so taucht sie selbe ins Wasser, begießt sie öfters und läßt dann die liebe Sonne darauf scheinen. Das oftmalige Gießen weicht die sogenannten Rohstoffe auf, und die Sonne zieht sie alle aus. Das Linnen ist gebleicht auf der einen Seite, dasselbe Verfahren bleicht es auf der anderen. Durch und durch müssen zu gründlicher Bleiche der Wasser- und der Sonnenstrahl dringen, dann aber trübt das blendende Weiß, den Stolz der Hausfrau, auch nicht ein trüber Fleck. Das ist klar. Machen wir die Anwendung! Der Körper unseres Kranken mit seinem gelben Hautüberzug gleicht wahrlich so einem ungebleichten Linnenstück. Ein Teil der Wasseranwendung muß die Feuchtigkeit, welche die Roh- d. i. die Giftstoffe auflöst, nach und nach bis ins Innerste eindringen machen; der andere Teil muß Wärme entwickeln, welche der Sonnenwärme gleich das Aufgelöste herauszieht. Noch eines. Auch der Lauge bedient sich zuweilen die Hausfrau, welche nachhaltiger und schneller die Dienste des Wassers tut bei ihrem Linnen. Laugen können als stärkere Auflösungsmittel auch wir bereiten. Wir kochen im Wasser verschiedene Vegetabilien, Pflanzen, und die trefflichste Lauge für die Körperbleiche ist fertig.
Doch kehren wir zurück zu unserem Falle! Der kranke Herr mußte zuerst den spanischen Mantel anlegen. Diesem folgte ein Kopfdampf mit kräftiger Abwaschung, hernach ein Fußdampf. Beide Dämpfe ersetzten die beste Lauge (man kann mir glauben) und durften erst nach ordentlichen Zwischenräumen einander ablösen. Je schonender nämlich der Körper behandelt wird, um so leichter kann die Natur es aushalten und selbst mithelfen, die Krankheitsstoffe auszuleiten. Darauf nahm der Kranke einen kurzen Wickel und, um die Natur zu stärken, einen Ober- und Unterguß, von sämtlichen Anwendungen abwechselnd täglich eine; dazu jede Nacht vom Bette aus eine Ganzwaschung. So wurde drei Wochen fortgefahren. Die vierte und fünfte Woche erhielt er je zwei Halbbäder, einen Kopf- und Fußdampf und einen spanischen Mantel; die sechste Woche endlich zwei warme Bäder im Wechsel mit kalten, ein Halbbad und einen Ober- und Unterguß. Für die weitere Zukunft empfahl ich dem Patienten wöchentlich ein paar Ganzwaschungen, einen Ober- und Unterguß, monatlich ein warmes Bad ohne Wechsel.
Das Wasser strafte auch in diesem heiklen Falle das Vertrauen nicht Lügen. Das schwere Leiden, das ohne Zweifel einen frühen Tod gebracht hätte, verschwand. Das frische Aussehen, die verlorenen Kräfte kehrten wieder; an Stelle des gebrochenen Mutes trat neue Begeisterung zum Berufsleben. Die Stimme tönte klangvoll wie früher. Oft wiederholte sie mir das herzliche „Vergelt’s Gott!“ Demjenigen aber, von dem allein alles Heil und Gelingen kommt, sang sie ein freudiges und dankbares Gloria: die Ehre sei Gott!
Ein Mann von ungefähr 40 Jahren hatte im rechten Fuß solche rheumatische Schmerzen, daß er nur mit Hilfe eines Stockes ganz kurze Strecken gehen konnte. Zeitweilig hatte er auch Schmerzen in den Armen und Schultern. Angewendet wurde schon verschiedenes, jedoch ohne Erfolg. Er nahm die Zuflucht zum Wasser, und in sechs Tagen fühlte er sich so ziemlich befreit, setzte die Anwendungen noch fort und wurde vollständig geheilt.
Die Anwendungen waren folgende:
1) Sechs Tage hindurch täglich zwei Obergüsse und zwei Schenkelgüsse, einmal in der Woche ein Wickel unter den Armen. Täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden 1–3 Minuten. Jeden Tag ein Rückenguß und Grasgehen.
2) Nach diesen sechs Tagen Oberguß mit Knieguß im Wechsel mit Halbbad, letzteres eine Minute lang.
Ein Bursche von 28 Jahren erzählt: „Ich habe bereits zwei Jahre keinen einzigen Tag, an welchem ich schmerzlos bin; der Anfang war auf dem Rücken, wo ich ein heftiges Brennen und Stechen empfunden habe, bald in schrecklicher Weise, dann erträglicher, nach und nach zog sich der Schmerz mehr in den rechten Schenkel bis hinunter; ich kann oft ganze Nächte nicht zwei Stunden ordentlich schlafen; bald peinigt mich die Hitze, bald kommt ein Kältegefühl, daß es mich schüttelt. Ich gebrauchte anfangs mehrere Ärzte ganz erfolglos; es wurden auch Einspritzungen vorgenommen, worauf die Schmerzen eine kurze Zeit gemildert wurden, aber gewöhnlich bald darauf viel ärger auftraten. Weil mir die Ärzte nicht helfen konnten, habe ich Pfuscher gebraucht; ich bekam Einreibungen, geistige Einwaschungen; aber alles, was ich getan, half mir nichts. Jetzt möchte ich den Versuch mit Wasser machen.“