Die Behandlung der Hämorrhoiden mit Wasser ist leicht und erzielt in den meisten Fällen sicheren Erfolg.[41] Die Zahl derer, denen so Hilfe ward, kann ich als sehr groß bezeichnen und beifügen, daß alle Fälle glücklich verliefen.

Greifen wir zuerst die Madenwürmer an, diese Afterblutegelchen, wenn solche vorhanden sind! Sie verraten sich meist durch ein Zwicken, Beißen, Nagen, Krabbeln in der Aftergegend (obgleich ein solches auch jedesmal die Neufüllung der Knoten begleitet). Man nehme ein, zwei oder drei kalte Klistiere schnell nacheinander und lasse dieselben gleich wieder abgehen. Kommt das kalte Wasser in den Mastdarm, so hängen sich die Madenwürmer vom After gleichsam aus, wie der Blutegel von der Blutstelle, wenn ich selbe mit Salz bestreue. Geht das Klistier gleich wieder ab, so schwemmt es die losgelösten Peiniger mit hinaus. Wiederholt man dieses zwei- bis dreimal, so gehen (das ganze Verfahren kann wöchentlich zwei- bis dreimal stattfinden) recht viele, zuweilen alle ab.

Haben wir es mit Hämorrhoidalknoten allein zu tun, so merke man sich folgendes: von Stellen, wo zu viel Blut hinströmt, muß dasselbe abgeleitet werden; Gefäße, die zu sehr ausgedehnt wurden und eben deshalb zu weit auseinandergehen, sind zu verengen, Unreinigkeiten und verlegene Ware auszuscheiden.

Für alle diese Zustände dient folgende Anwendung gut: Man bereite sich im Bette einen Unteraufschläger, d. i. in unserem Falle ein recht dickes, vielfach zusammengelegtes, ins kälteste Wasser getauchtes Linnen, so lang, daß es den ganzen Rücken bedeckt und am untern Ende bis über den After hinausreicht, so breit, daß es den Rücken deckt. Darauf lege man sich drei Viertelstunden lang und wiederhole die Anwendung wöchentlich drei- bis viermal. Sollte das Tuch vor den verflossenen drei Viertelstunden warm sein, so werde es entfernt und besser nochmals eingetaucht.

Als fernere Anwendung tut es sehr gute Dienste, wenn solche Leidende in der Woche drei- bis viermal ein Sitzbad nehmen, kalt und kurz. Man kann dasselbe an einem halben Tage oder auch nachts vom Bette aus zwei- bis dreimal wiederholen, nie länger als ein bis zwei Minuten. Auch diese Anwendung wirkt wie die obige zugleich auf die vorhandenen Hämorrhoiden und deren Entstehungsursachen im Unterleibe.

Wer bei vorhandenen Hämorrhoiden in jedem Vierteljahr innerhalb ein bis zwei Wochen eine der beschriebenen Kuren durchmacht, darf sicher sein, daß das Übel ohne alle erheblichen Folgen bleibt und, wenn es nicht ganz verschwinden sollte, gewiß nie lästig wird. Wem solches zu anstrengend erscheint und zu schwer, dem weiß ich in Gottes Namen keinen Rat.

Bezüglich der Nahrung mache ich nur auf einen Punkt aufmerksam, der nach meinem Dafürhalten nicht genug gewürdigt wird. Viele der Hämorrhoidarier haben angefangen, statt des modernen Hausbrotes Kleienbrot zu essen, und sie behaupten, seit dieser Zeit verspüren sie von dem Leiden durchaus keine erhebliche Belästigung mehr, wenn dasselbe auch nicht vollständig gehoben sei. Dieses Kleienbrot möchte ich sehr empfehlen, es sollte eine Zukunft haben. Nicht bloß bei einzelnen, allgemeine Verbreitung sollte es finden (auch aus anderen Gründen) als gesundes, kräftiges Nahrungsmittel. Aber wohl gemerkt, nur das echte Kleienbrot, nicht das verfälschte oder nachgeäffte! Die strafbare Verfälschungssucht hat sich leider auch schon dieses Artikels bemächtigt. In einer Großstadt des Auslandes fand ich einst Kleienbrot (dasselbe ist bekanntlich sehr schwer) so leicht wie anderes Brot. Ich durchschnitt den Wecken. Inwendig war es Brot wie anderes Brot; nur über die Rinde her hatte der kluge Bäcker die Kleie gestreut, wie man sonst Kümmel oder Anis streut. Ich fügte meiner Apotheke zum Schlusse das Rezept für [Kleienbrotbereitung] bei;S. 3$1 oben S. 159.

Halsbräune.

Ein Vater kommt und klagt, seine Tochter, vier Jahre alt, habe die Halsbräune. „Das Kind hat es,“ sagt er, „gerade wie die drei anderen Kinder, welche alle gestorben sind. Sie starben sehr schnell; auch dieses Kind wird schnell sterben. Schon kann es fast nicht mehr atmen und nicht mehr husten. Kopf und Leib sind ganz aufgetrieben. Was soll ich tun? Vier Stunden brauche ich, um den Arzt zu holen, und bis dahin ist mein Kind tot.“ Die Antwort lautete: „Hausvater, gehe gleich heim, mache etwas Wasser, das mit Essig gemischt ist, heiß, tauche ein Handtuch ein, winde dieses aus und wickle damit den ganzen Hals des Kindes gut ein! Darüber bringe noch ein trockenes Tuch und lasse den also übergelegten Wickel drei Viertelstunden lang liegen! Dann tauche das Tuch von neuem in Wasser und Essig! So fahre sechs Stunden lang fort, aber alle drei Viertelstunden den Umschlag von neuem naß machend! Nach Verlauf der sechs Stunden mache den Hals frei, ihn leicht bedeckend! Sodann appliziere dem Kinde mit demselben Handtuch, das du zu diesem Behufe wieder in Wasser und Essig eintauchst, einen kurzen Wickel! Darüber lege eine trockene Hülle und decke das kranke Kind gut zu, sorgfältig, aber nie zu stark! So soll die Kleine eine Stunde lang ruhen bleiben. Nach einer Stunde entferne die Hülle und lasse das Kind, nicht mehr als gewöhnlich bedeckt, im Bette liegen! Sollte nach sechs bis acht Stunden noch schweres Atmen und Husten vorhanden sein, so kannst du den Umschlag um den Hals nochmals, wie oben gesagt, erneuern und denselben ein bis zwei Stunden lang umlegen. Wenn er nach Verlauf einer Stunde recht heiß ist und dem Kinde recht bange werden sollte, so tauche das Tuch von neuem ein! Du wirst die Wirkung erfahren.“

Der Vater tat, wie ihm befohlen, und nach 30 Stunden war das verloren geglaubte Kind wieder gesund, frisch und munter.