Ein armer Taglöhner hatte mehrere Wochen hindurch große Beschwerden der angegebenen Art. Das Übel steigerte sich von Tag zu Tag. Er wendete Zinnkraut-Dämpfe an; doch sie wollten dieses Mal so gute Wirkung nicht hervorbringen. Die Dämpfe allein waren zu schwach, ihre Wirkung mußte durch eine weitere Anwendung verstärkt werden. So wurde Zinnkraut ausgesotten, ein vierfach zusammengelegtes Linnen in den heißen Absud getaucht, dieses etwas ausgewunden und so auf die leidende Stelle gelegt. Täglich ein Zinnkrautdampf und täglich eine solche Auflage während zwei Stunden, das genügte. In wenigen Tagen war das Übel geheilt. Erkältung, wie beim ersten Fall, war auch hier die Ursache des Leidens, wenn auch nicht die einzige Ursache; Nebenumstände traten hinzu. Der freigewordene Urin ließ erkennen, daß viel „Krankes“ im Innern gelöst wurde.
Bei einem ähnlichen Falle habe ich statt des Zinnkrautes warmes Wasser, mit Essig gemischt, angewendet. Die also genetzten und übergelegten Tücher taten dieselbe gute Wirkung.
Eine Hausmutter lag schon neunzehn Wochen zu Bette und gebrauchte immer ärztliche Hilfe. Die Ärzte erklärten das Übel als Blasenkrebs. Die Schmerzen waren oft so groß, daß die Nachbarn die arme Frau schreien hörten. An ein Aufkommen wurde längst nicht mehr gedacht. Ich riet dem armen Weibe, es solle Zinnkraut sieden, ein Tuch in den Absud tauchen, in das etwas ausgewundene Tuch das ausgekochte Zinnkraut selbst legen, einbinden und so vorne auf die schmerzhafte Stelle legen oder binden. Nach der ersten Anwendung fühlte die Kranke Linderung. Sie tat so fünf Tage lang, drei- bis viermal täglich, jedesmal gut gemessene zwei Stunden. Dreimal täglich nahm die Frau auch innerlich Zinnkrauttee. Am fünften Tage ging ein Salzstein ab unter unsäglichen Schmerzen. An dem ausgeschiedenen Steine konnte man recht deutlich sehen, daß sich Teile davon abgelöst hatten. Das Übel war gründlich kuriert, der fatale Krebs mitsamt den Scheren richtig gefangen.
Ein 64 Jahre zählender Mann, sonst kräftig und gesund, konnte nicht mehr das Wasser lassen. Er ließ den Arzt rufen. Dieser gebrauchte den Katheter und erklärte, daß es für dieses Übel keine Medizin mehr gebe. In der Tat mußte er alle 24 Stunden zu der unliebsamen Operation geholt werden. Nach vier Tagen stellte sich im ganzen Körper des Mannes große Fieberhitze ein, und, was ganz fatal war, er sollte nichts trinken. Zwei Übel quälten so den armen Körper. Der Arzt hatte wenig, fast keine Hoffnung mehr. Ich wurde befragt und gab den Rat, der Kranke solle mit dem Rücken auf ein mehrfach zusammengelegtes, in warmes Wasser getauchtes Linnen sich legen, drei Viertelstunden lang, dasselbe Tuch sodann neu eingetaucht dem Unterleibe applizieren (Unter- und Oberaufschläger) in der Dauer einer Stunde. Schon nach der ersten Anwendung gingen 1½ Liter Wasser ab. Dieselbe wurde im Anfange täglich zweimal, nach einiger Zeit nur einmal erneuert. Nach innen nahm der Patient täglich in drei Portionen oder Absätzen eine Tasse Tee von Zinnkraut, Wacholderbeeren oder Attichwurzeln (fünf Minuten in Wasser gesotten). Rosmarin, in Wein angesetzt, selbst Wacholderbeeren allein, in Wasser gesotten und als Tee getrunken, hätten gleichfalls gute Dienste getan. Das erste Übel mit seinen Schmerzen ließ nach, auch die Hitze verschwand gänzlich. Der Mann fühlt sich seit dieser Kur gesünder als früher.
Ein Bauer, ungefähr 42 Jahre alt, erzählt:
„Ich bin seit vier Jahren leidend, und mein Leiden steigert sich von Monat zu Monat; ich habe Beschwerden beim Wassermachen. Über eine halbe Stunde auszuhalten ist mir unmöglich, und wenn es länger andauert, so steigert sich das Leiden derart, daß ich heftige Krämpfe bekomme, und erst wenn diese Krämpfe ausgetobt, geht nur wenig Wasser ab. Ich habe schon viele Ärzte gehabt, geholfen hat gar nichts; habe 80 Flaschen Mineralwasser getrunken auf Empfehlung eines Münchener Arztes; ein klein wenig half es, aber das Übel ist nicht im geringsten gehoben. Ich muß jede halbe Stunde die Nacht hindurch aufstehen, und dann geht ein wenig Wasser ab, und geschieht dies nicht, so mache ich das Leiden immer noch bitterer. Ich bin sonst ganz gesund, habe, wie jedermann sagt, ein gutes Aussehen, trinke selten Bier; es wird darauf nur noch schlimmer, und ich war nie besonders daran gewöhnt. Was ist zu tun?“
Anwendung: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh, 30–32°; zehn Minuten ins warme, dann eine halbe Minute ins kalte, dann wieder zehn Minuten ins warme Bad, so dreimal. 2) Die übrigen Tage, an jedem Tag ein kurzer Wickel von unter den Armen bis an die Knie, ebenfalls in Haberstrohwasser getaucht, wenn’s geht, eine Stunde lang; so 12–14 Tage fortmachen. 3) Täglich drei kleine Tassen Tee trinken von Zinnkraut und Wacholderbeeren, zehn Minuten lang gesotten.
Ein Knecht bekam große Beschwerden im Urinieren. Es ging nur wenig und langsam Harn ab und unter heftigen Schmerzen.
Der Arzt erklärte, nicht anders helfen zu können als durch Entleerung mit Katheter einige Zeit hindurch jeden zweiten Tag. Das Übel nahm indes immer mehr zu, die Schmerzen steigerten sich.
Der Knecht nahm nun täglich zweimal je 25–30 Tropfen von Wacholder- und Hagebutten-Geist in einem Weinglas voll Wasser. Schon in einem halben Tage merkte er Besserung, nach zehn Tagen war das Übel ziemlich gehoben. Zur Abwechslung nahm er noch weiter den einen Tag Wermuttropfen statt der obigen und wurde so in kurzer Zeit befreit.