Ein Studierender der Theologie kam und fragte mich, was er anfangen solle; es gehe bei ihm nicht mehr so recht aufeinander, und die Ärzte sagten, er habe neben anderem ein Herzleiden. So gerne wäre er Priester geworden, aber bei solchem Kopfweh, bei solchem Herzklopfen und der damit verbundenen Beengung und Bangigkeit höre einfach alles auf. Alles, was er sehe und höre, komme ihm nur als Schein vor.

Ich riet dem Patienten, er solle seinen Körper vernünftig abhärten. Das tue ihm nichts, denn er sei gut gebaut. Später solle er das Fach wählen, welches ihm gefalle. Nach wenigen Wochen setzte er seine Studien fort und wurde nach zwei Jahren Priester, und wenige seiner Kursgenossen werden ihn an Gesundheit und Kraft übertreffen. Jeden Morgen ging der junge Herr über eine halbe Stunde barfuß im Morgentau, täglich stieg er ins Wasser bis an die Magengegend mit Waschung des Oberkörpers. Leichte Arbeiten ersetzten ihm die Bewegung, wenn ihm der Regen seinen Lieblingswunsch, die Wälder aufzusuchen, benahm. Zur Stärkung gebrauchte er später reichliche Obergüsse, täglich einen, oft zwei, im Wechsel mit Halbbädern. Kopf- und Herzleiden verschwanden mit der Zunahme der allgemeinen Körperkraft.

Hexenschuß.

Agatha kommt und erzählt: „Mein Mann hat heute nacht, ich weiß nicht wie, schreckliche Schmerzen auf dem Rücken zwischen den Schulterblättern bekommen. Der Schmerz reicht bis an die rechte Schulter. Er schreit oft vor Schmerzen, wenn er sich bewegen will. Es ist ihm gar nicht möglich, aufzusitzen. Diesen Hexenschuß hat er schon öfters bekommen, aber noch nie so stark. Was soll er wohl tun?“ Antwort: Wenn der ganze Rücken alle Stunden mit warmem Wasser und Essig gewaschen und ordentlich zugedeckt wird, so wird der Schmerz bald verschwinden. Es könnten auch warme Überschläge gemacht und nach jeder Stunde gewechselt werden. In drei bis vier Stunden ist gewöhnlich das Übel der Hauptsache nach gehoben. Man kann noch zweimal mit warmem Wasser und Essig den Rücken waschen.

Der Hexenschuß ist häufiger auf dem sogenannten Kreuze und verursacht große Schmerzen. Auch hier hilft wieder am ehesten: auf ein warmes Tuch sich zu legen, das in heißes, mit Essig vermischtes Wasser getaucht ist. Es reicht auch hier gewöhnlich aus, die Unterlage zwei- bis dreimal, nach je einer Stunde frisch einzutauchen.

Hüftnerven-Entzündung (Ischias).

Ein Beamter litt über ein Vierteljahr an heftigen Schmerzen im linken Schenkel bis hinunter zu den Knöcheln. Er hatte alles Mögliche angewendet; zuletzt wurde ihm empfohlen: Warmhalten und Ruhe, — das seien die einzigen Mittel zur Heilung. So suchte der Herr seine leidenden Stellen möglichst zu erwärmen durch warme Tücher, warme Platten, und zuletzt nahm er noch ganz warme Bäder, so warm er sie ertragen konnte.

Die Schmerzen jedoch steigerten sich, die Kräfte nahmen zusehends ab, das Körpergewicht verringerte sich um mehr als einen halben Zentner, und er konnte selten eine Stunde schlafen.

Endlich faßte er Mut, das Mittel zu gebrauchen, das er am meisten gefürchtet hatte: das kalte Wasser.