Die Anwendungen bestanden in folgendem: Erster Tag: am Morgen den oberen Körper mit Wasser und Essig waschen, nachher einen Knieguß nehmen; am Abend ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang. Zweiter Tag: am Morgen wieder Oberguß mit einem Gießer, gleich darauf auf nassen Steinen gehen (5 Minuten lang); nachmittags: ein kaltes Sitzbad, eine Minute lang. Dritter Tag: am Morgen im Wasser gehen, zwei Minuten lang; gleich darauf die ganzen Arme ins Wasser halten; nachmittags: ein Oberguß, gegen Abend ein Sitzbad. Vierter Tag: in der Frühe im Wasser gehen bis an die Knie (drei Minuten lang); gleich darauf die Arme ins Wasser (zwei Minuten lang); am Nachmittag: ein Rückenguß. Fünfter Tag: am Morgen einen Rückenguß, am Nachmittag ein Halbbad (eine Minute lang). So wurden die letzteren stärkeren Anwendungen fortgesetzt. Der Schwindel verlor sich ganz, der Stuhlgang kam in Ordnung, die schlechten Gase waren beseitigt, die allgemeine Naturwärme war wieder hergestellt, und so war die Maschine wieder in Ordnung. Der Greis bekam geradezu jugendliche Frische und den besten Humor.
Es mag vielleicht auffallen, warum man bei diesem hochbetagten Mann nur eine einzige warme Anwendung vorgenommen hat und nicht länger mit warmen Anwendungen verfahren ist.
Der Grund ist einfach dieser, weil noch ziemlich viel Kraft und Naturwärme vorhanden war; sonst hätte er durch Waschungen vom Bett aus und wieder ins Bett entweder mit warmem Salzwasser oder mit Essig und Wasser zu einer größeren Naturwärme gebracht werden müssen. Wird die Naturwärme bei alten Leuten durch warme Waschungen erhöht, und man nimmt dann versuchsweise eine kalte Waschung vor, so verschmähen sie recht bald das warme Wasser und ziehen das kalte vor, weil sie dadurch bessere Wirkung und vermehrte Naturwärme verspüren.
Ein 78jähriger Priester hatte solchen Schwindel, daß er gar nicht mehr in die Höhe schauen und nicht sicher auf dem Wege gehen konnte; er war ziemlich beleibt. Das ganze Aussehen machte den Eindruck, daß der arme Greis keine Naturwärme mehr habe. Trotz all dieser Gebrechen, die zu der Annahme verleiten konnten, es sei doch mit dem Wasser nichts mehr anzufangen, verjüngte sich sein Aussehen ganz auffallend. Der Schwindel verschwand, sowie alle Furcht beim Gehen, kurz, der Hochbetagte wurde einer Lampe gleich, welche Aufguß zum Weiterbrennen bekommt.
Wenn ein Hochbetagter es liest, wird er fragen: Was geschah mit ihm? Die Antwort lautet:
Am ersten Tage von unter den Armen ganz einwickeln, das Tuch in heißes Wasser eingetaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden, 1½ Stunden lang; am nachmittag: eine Waschung mit Wasser und Essig, ganz warm. Am zweiten Tag: in der Frühe einen Fußdampf, 20 Minuten lang; gleich darauf mit frischem Wasser ganz kurz abgießen; am nachmittag: wieder eine Ganzwaschung wie am ersten Tage. Am dritten Tag: einen Kopfdampf (20 Minuten lang), gleich darauf einen Oberguß. Am vierten Tag: in der Frühe einen kalten Oberguß, darauf einen Knieguß; nachmittags: ein nasses Hemd anziehen, 1½ Stunden lang. Am fünften Tag: am morgen ein warmes Fußbad mit Asche und Salz; nachmittags: einen Oberguß und Knieguß. Von dieser Zeit an nur mehr kalt, und zwar im Wechsel: Oberguß und Knieguß vormittags; zwei Stunden später: im Wasser gehen und die Arme ins Wasser halten; nachmittags: bloß Oberguß. So ungefähr 6 Tage fortfahren, und es reicht aus, in der Woche ein oder zweimal in der Nacht vom Bett ganz waschen und wieder ins Bett. Zu Haus ist nichts mehr notwendig, als in der Woche zweimal im Wasser gehen und die Arme ins Wasser halten. In der Woche ein Sitzbad nehmen, dies kann auch warm genommen werden. — Innerlich einen Tee von Fenchel, Schafgarbe und Salbei.
Schwindsucht.
Wie eine Schlange im Grase oder Gerölle versteckt auf ihre Beute lauert, so steckt und herrscht oft schon lange die Schwindsucht im Körper, ehe sie sich zeigt. Ihr Anfang ist eine Fäulnis, die an irgend einer Stelle entsteht, nach und nach durch Vereiterung um sich greift und Organe des Körpers zerstört. Es kann dieses geschehen in der Brust: in der Lunge, im Rippenfell; im Unterleib: im Darm und in den Nieren; im Hals: in der Luftröhre, im Kehlkopf usw., an den edelsten und wichtigsten Organen. An jeder Stelle, an der solche Fäulnis sich zeigt, treten alsbald auch Störungen ein im Blutumlauf, im Blute und in den Säften. Dem Menschen, den es trifft, ergeht es wie dem Baume, dessen Blätter anfangen, zur Unzeit gelb zu werden und abzustehen. Seine Lebensadern haben aufgehört, den Lebenssaft zu geben. Der Baum wird nicht mehr recht genährt, daher das Welken und Absterben. Und da hilft keine Sonne und keine frische Luft. Dasselbe können wir vom Schwindsüchtigen sagen. Das Blut, dieser Lebenssaft, nimmt ab, der Kranke „fällt ab“, wie der Volksmund sagt, und erlischt am Ende wie ein Licht, lebensunfähig.
Hat die Schwindsucht einmal tief sich eingefressen und bereits ein Organ des Körpers zerstört, dann ist der Mensch verloren. Hat sie sich aber an dem einen oder anderen Teil des Organismus angesetzt, so kann gerade mit Wasser eine Heilung ganz leicht eintreten. Das Traurigste bei solchen Kranken ist, daß die ersten Zeichen scheinbar so unbedeutend sind. Der Kranke hat nur ein Hüsteln, das ihm auch gar nicht besonders wehe tut. Nicht einmal ausspucken muß er oder doch höchst wenig. Kommt von Zeit zu Zeit der Husten stärker, so tröstet sich der Kranke: „Es ist nichts weiter als ein gelinder Katarrh, hab’s schon oft gehabt, wird bald wieder nachlassen.“ Selbst wenn der Körper welker wird, der Schwindsüchtige eine Abnahme der Kräfte spürt, immer hat er seine Entschuldigung. „Der Katarrh dauert diesesmal etwas länger; aber ich kann ja meinem Beruf doch noch vorstehen.“ Gewöhnlich haben derlei Kranke bei diesem Stadium der Krankheit schon mehr gelitten, als sie selbst glauben: die Blutbildung hat abgenommen, die Säfte haben sich vermindert, die kranken Stellen dehnen sich immer weiter und weiter aus. Sucht dann der Kranke nach Hilfe, so ist er sicher schon zu spät daran, und was er tut und anwendet, das tut er meistens nur zur Abkürzung seines Lebens. Ich bemerke all dieses zur Warnung, solche Zustände, die unter dem Namen „Katarrh“ die ganze Welt erfüllen, nicht zu vernachlässigen. In Fällen, in denen die Schwindsucht vorangeschritten ist, einen höheren Grad erreicht hat, versuche ich (erkläre dieses auch von vornherein jedem Patienten) mit Wasser nichts mehr anzufangen;[45] denn die Natur vermag den Kampf mit dem frischen Wasser nicht mehr aufzunehmen. Das wäre ebenso töricht, wie wenn ein Schwächling es versuchen wollte, einen robusten, kräftigen Mann zu meistern. Die fortgeschrittene Schwindsucht erkennt man daran, daß der Kranke ziemlich häufig hustet, mit dem Husten sehr viel Auswurf abgeht; ferner, daß derselbe schwer atmet, der Appetit nachgelassen hat usf. Solange der Auswurf noch oben auf dem Wasser schwimmt (man stelle die Probe an), braucht man nicht alle Hoffnung aufzugeben. Sinkt er zu Boden, dann ist’s meistens bei Matthäus am Letzten, zu Ende mit aller Hoffnung und Hilfe. Der Kranke soll sich in Gottes Willen ergeben und sich ruhig auf das letzte Stündlein vorbereiten.