Alle eineinhalb bis zwei Stunden, d. i. jedesmal, so oft der Schmerz sich in besonders fühlbarer Weise steigerte, wurden die Heublumen erneuert, d. i. neu angeschwellt und neu aufgelegt. Dieses Verfahren brachte nicht allein Linderung, sondern gänzliche Heilung. Das Umsichgreifen des unheilverkündenden Brandes hörte am Abende des ersten Tages auf. Die ganze Entzündung war nach vier Tagen beseitigt.
Ein Herr schnitt sich ein Hühnerauge aus, das entzündet war, und ahnte nicht das Geringste. In wenigen Tagen war die Entzündung derart, daß offenbare Zeichen und Schmerzen einer Blutvergiftung vorhanden waren. Viele, die Ähnliches mitangesehen, hielten den Armen für verloren.
Der Patient nahm täglich zwei Fußbäder von abgebrühten Heublumen (dieselben sollen im Fußbade mitgegeben werden), und täglich wurden die Füße ein paarmal, je auf zwei Stunden, mit Tüchern, in Absud von Zinnkraut getaucht (jede Stunde neu einzutauchen), umwunden. Da am Körper schon Spuren der Vergiftung offenbar wurden (schlechtes Aussehen, Appetitlosigkeit), kamen zu obigen Partialanwendungen täglich eine Waschung des Oberkörpers und ein Unterwickel von eineinhalb Stunden. In wenigen Tagen war der Herr außer Gefahr, in 10 Tagen gesund. Er trank täglich zwei Tassen Wermut- und Salbeitee (beide Kräuter gemischt).
Auch derlei kleine Fußgebrechen erheischen große Vorsicht. Als Vorbeugemittel kenne ich keine besseren als öfteres Barfußgehen (wenn es im äußersten Falle auch nur im Zimmer geschähe, z. B. 15–30 Minuten vor Schlafengehen) und häufigere kalte, für schwächere Leute lauwarme Fußbäder. Die Reinlichkeitspflege der Füße ist ein wichtiges Kapitel in der Gesamt-Gesundheitspflege des Körpers.
Ein korpulenter Pfarrer wollte seinen dicken Hals durch Jodsalbe, die ihm der Arzt verordnet hatte, wieder in die normale Verfassung bringen. Um schneller zum Ziele zu kommen und dem Kropfe sobald als möglich zu entrinnen, griff er viel zu tief in den Jodsalbentopf. In kurzer Zeit magerte der kräftige Herr so ab, daß er kaum mehr die Hälfte Körpergewicht hatte. Der Arzt erklärte ihn für aufgegeben, weil das Jod das Blut vergiftet habe.
In solchen Fällen war der „Wasserpfarrer“ dann immer gut genug; ich sage dieses ohne alle und jede Anzüglichkeit und ohne jede Bitterkeit. Es soll ein Scherz sein! Der Kranke bekam warme Bäder mit Absud von Fichtenreisern von 28–30° R. mit folgender kalter, aber rascher Abwaschung, Ober- und Unteraufschläger, den Ober- und Unterguß, den Unterwickel in Absud von Fichtenreisern getaucht, jeden Tag zwei Anwendungen in der bezeichneten Reihenfolge. Daneben mußte er barfuß gehen im betauten Grase. Nach innen wirkte gut täglich eine Messerspitze Kreidemehl oder gelöschten Kalkes, in einem Schoppen Wasser gut ausgelöst, auf zwei bis viermal zu trinken; gleichfalls täglich ein bis zwei Löffel Provencer-Öl, daneben einfache, kräftige Hausmannskost. — Das Wasser hat auch in diesem Falle seine Dienste gut getan.
Verstopfung.
Gibt es viele Leute, die häufig an Diarrhöeen leiden, so gibt es noch eine weit größere Anzahl von solchen, die mit hartem Stuhlgang geplagt sind, daher zu Mitteln ihre Zuflucht nehmen müssen, welche freilich auf den Stuhlgang wirken, deren Ende aber meist Verderben ist. Kühn kann man sagen: Je länger jemand solche Mittel gebraucht, umsomehr leidet die ganze Natur. Wer möchte die Unzahl von Mitteln nennen, die zum Laxieren und zur Beförderung des Stuhlganges verwendet werden? Ich kannte einen Bader, der weit und breit den Ruf hatte, die Leute gut auszureinigen. Was tat er? Er nahm sehr häufig Gansdr..., sott ihn ab, und mit diesem Absud bediente er die geehrten Kunden. Noch anderes könnte ich auf Verlangen berichten. Mundus vult decipi! Die Welt will einmal betrogen werden! Doch das galt hauptsächlich den „dummen Bauern“. Die vornehme Welt wird schon anders behandelt. Unzählige Fläschchen mit verschiedenem Mineralwasser werden da täglich durch den Körper gejagt, und in der Tat, sie bewirken die reichlichsten Stuhlgänge. Mir brachte einst ein Kranker ein gewaltiges Quantum Quecksilber, das er eben aus dem Leibstuhle genommen. Es wurde ihm eingegeben, um Stuhlgang zu bewirken. Wie viele Morrisonspillen wurden seinerzeit verschluckt, und wie viele Menschen haben viel zu früh ihr Grab gefunden! Kaum wird an irgend einer Krankheit so mannigfaltig und so unglücklich operiert und probiert, als wenn es sich um harten Stuhlgang handelt. Und meistens ist die Folge, daß, je mehr und je länger man anwendet (und zuletzt erfolgt kein Stuhlgang mehr ohne Abführmittel), die Not stets um so größer wird. So klagte mir auch einmal ein von der Medizin gänzlich verlassener Mann, daß nicht ein Tag vorübergehen dürfe, wo er nicht ein Klistier oder sonst drastische Mittel nehmen müsse, um den notdürftigsten Stuhlgang zu haben. So weit haben ihn diese leidigen Hilfsmittel (?) gebracht, und der Mann zählte noch lange nicht 40 Jahre.
Es ist ein großer Fortschritt der Medizin unserer Zeit, daß sie all die gewaltsamen Mittel verpöne, und viele Ärzte — man muß es zu ihrem Ruhme sagen — haben Hunderte von sogenannten Geheimmitteln chemisch zerlegt und allen Vernünftigen den Betrug aufgedeckt. Dennoch schleicht das Gespenst der Geheimmittelei noch in tausend Familien ein und richtet Schaden an.[47]
Wem es an Stuhlgang fehlt, dem fehlt es meistens im ganzen Organismus, nicht bloß im Magen oder in einem anderen besonderen Körperteil, und ich lebe der festen Überzeugung, die eine große Anzahl von Fällen mir stets bestätigte, daß wieder das Wasser das allersicherste und das unschädlichste Heilmittel ist, das auf Gottes Erde gefunden werden kann. Es hilft, indem man es nach innen anwendet und von außen wirken läßt.