Leider ist nur zu wahr: die Kopfpflege wird vielfach sehr vernachlässigt. Man wäscht jahraus, jahrein jeden Morgen sein Gesicht und meint, damit sei es abgetan. Damit ist es noch lange nicht abgetan. Ich empfehle die Kopfpflege im Interesse der notwendigen Reinlichkeit, dann der Gesundheit der Jungen wie der Erwachsenen; in erster Linie soll sie den Müttern empfohlen sein.

3. Das Augenbad

ist kalt oder warm zu nehmen. Man bereitet es in beiden Fällen seinen Augen folgendermaßen: Man taucht das Gesicht in das kalte Wasser ein, öffnet die Augen und läßt diese ¼ Minute gleichsam baden. Dann erhebt man sich, setzt ungefähr ¼–½ Minute aus und taucht Stirne und Augen von neuem ein. Die Wiederholung kann geschehen 4–5 mal. Das warme (24–26° R.) Augenbad soll stets mit kalt abschließen, sei es, daß man das letzte Bad kalt nimmt, oder daß man zum Schlusse die Augen mit frischem Wasser abwäscht. Desgleichen sei das Badewasser nicht warmes Wasser allein, sondern wieder Kräuterwasser. ½ Löffel gemahlener Fenchel oder Absud von Augentrost haben mir stets gute Dienste geleistet.

a) Das kalte Augenbad wirkt vortrefflich bei gesunden, aber schwachen Augen. Es stärkt und erfrischt den ganzen Sehapparat in seinen inneren und äußeren Bestandteilen.

b) Das warme Augenbad (lauwarm) wird verwendet, um Geschwülste am äußeren Auge aufzuweichen und ungesunde dicke eiterige Flüssigkeit in dem inneren Auge zu lösen und auszuziehen.

C. Dämpfe.

Wie unsere sämtlichen Wasseranwendungen, so wirken auch die Dämpfe in der gelindesten Form und deshalb durchaus ungefährlich und unschädlich. Gleichwohl erheischt die Anwendung der Wasserdämpfe große Vorsicht. Was den Kranken, der richtig und nach Vorschrift anwendet, gesund macht, kann bei Nachlässigkeit und Sichgehenlassen einen Gesunden krank machen. Wer z. B. unmittelbar nach einem Dampfbade ohne vorhergehende Abkühlung ins Freie, an die kühle Luft tritt, kann nicht nur krank, er kann tödlich krank werden, die Anwendung ist daran so unschuldig wie ein neugeborenes Kind. Diese erste Bemerkung soll zur Vorsicht, nicht zur Ängstlichkeit ermahnen. Ich wiederhole, daß bei richtigem Gebrauche niemals eine, selbst nicht die leiseste Gefahr zu befürchten ist.

Sind Dämpfe zur Heilung überhaupt notwendig? Wenn eine Hausfrau ihre Wäsche reinigt, so gebraucht sie warmes und kaltes Wasser. Das warme Wasser soll das zu Entfernende auflösen, das kalte Wasser soll das Gelöste wegschwemmen. Ein ähnlicher Prozeß (Vorgang) vollzieht sich beim Heilverfahren. Auch bei Krankheiten muß Verschiedenes, wie Blutanstauungen, verdorbene Säfte usw. auf- und ausgelöst werden. Das geschieht durch die Wärme. Sodann muß der Körper gekräftigt und widerstandsfähig gemacht werden. Das geschieht durch die Kälte.

Jeder Körper muß demnach ein gewisses Quantum, ein gewisses Maß von Wärme haben, wenn seine Arbeit vonstatten gehen soll.

Der gesunde Körper besitzt in sich Naturwärme genug, er braucht keine Zutat.