Fig. 8.
Wenn all die genannten Gegenstände bereitstehen, wird das auf den niedrigeren Stuhl gestellte Holzgefäß bis zu Dreiviertteilen angefüllt mit strudelndem Wasser und mit dem Deckel und einem feuchten Tuche gut verschlossen, damit bis zum Gebrauche möglichst wenig Dampf entweiche. Der Patient hat den ganzen Oberkörper bis zu den Beinkleidern entblößt und über diese als abschließende Binde ein trockenes Tuch gelegt, um den niederrinnenden Schweiß aufzuhalten und das Naßwerden der Beinkleider zu verhindern. Er setzt sich auf den größeren Stuhl und stützt die flachen Hände auf die Öhren des Holzgefäßes, den Oberkörper über das Gefäß hinneigend (s. Figur 8). Oberkörper und Gefäß werden sodann mit der großen Wolldecke locker, aber nach allen Seiten hin derart eingehüllt, daß auch nicht durch die kleinste Öffnung Dampf entweicht. Jetzt erst entfernt der Behandelnde, dem Behandelten gerade gegenüberbefindlich und von unten her die Wolldecke etwas lüftend, in die Höhe hebend, den abschließenden Deckel mit dem angefeuchteten Tuche; der Dampf dringt ungehindert wie ein glühender Strom auf Kopf, Brust, Rücken, auf den ganzen Oberkörper ein und beginnt seine auflösende Arbeit.
Wer zur Aufsicht und Bedienung beigegeben ist, sorge wohl dafür, daß schwächere Patienten, denen der Rücken leicht wehe tut, bequem sitzen, eine gute Stütze im Rücken haben usw. Dagegen achte er nicht auf Klagen und die verschiedenartigsten Ausrufe wie: Ich halte es nicht ferner aus, mich muß der Schlag treffen u. a.
Im ersten Augenblicke mag mancher ob der ungewohnten Glühtemperatur erschrecken, doch bald hat er sich an das tropische, das heiße Klima gewöhnt und schnell einige kleinere Vorteile gefunden. Beim ersten Ansturme der hitzigen Wolken suche er eine mehr aufrechte Stellung einzunehmen, den Kopf zu heben, nach verschiedenen Richtungen zu wenden usw. Mit dem Angewöhnen und dem Nachlassen der Hitze kehrt der Oberkörper in die vorgeschriebene, gebückte Stellung zurück.
Zu befürchten hat man absolut nichts. Ich kenne nicht einen Fall, in welchem der Kopfdampf, genau nach Vorschrift angewendet, im geringsten geschadet hätte. Ich habe denselben den verschiedensten Personen in den verschiedensten Krankheiten appliziert und stets gute Erfolge erzielt. Schaden zugefügt haben nie die Dämpfe, wohl aber jene Selbstklugen sich selbst, welche ohne alle Vorsicht und Regel taten, wie es ihnen gut dünkte, nicht wie die Ordnung es vorschrieb. Eine Anwendung dauert 20–24 Minuten. Der Patient soll während der ganzen Dauer nicht nur willig mit seinem Kopf herhalten, er soll auch nach Vermögen Augen, Nase, Mund öffnen und an Dampf einströmen lassen, was und wieviel er nur ertragen kann.
Nach Umlauf der Zeit von 20–24 Minuten wird die Wolldecke entfernt und der ganze Oberkörper mit frischem Wasser kräftig abgewaschen. Der Patient macht sich zur Winterszeit im Zimmer, zur Sommerszeit im Freien Bewegung, bis die gehörige Trocknung und die normale Wärmetemperatur der Haut eingetreten ist.
Ich schulde an dieser Stelle noch einige wichtige und nicht zu übersehende Bemerkungen.
Der reine Wasserdampf wirkt auf manche Augen, ebenso beim Einatmen auf den Magen zuweilen nicht ganz günstig. Deshalb mische ich dem heißen Wasser stets Kräuter bei. Zunächst empfehle ich Fenchel, der sich vortrefflich bewährte. Ein Löffel gemahlener Fenchel reicht aus für eine Anwendung. Auch Kräuter von Salbei, Schafgarbe, Minze, Hollunder, Spitzwegerich, Lindenblüten tun treffliche Dienste. Und wenn dir auch diese abgehen, so nimm eine Handvoll Brennesseln oder Heublumen und mische sie bei; das Kräutchen mag verachtet sein, sein Dienst ist dennoch gut.
Bei gewöhnlichen Menschen tut der Dampf bald seine Wirkung; den meisten derselben rinnen schon nach den ersten fünf Minuten die Schweißtropfen von der Stirne, nach 8–10 Minuten perlen sie hervor aus allen Poren.