Die gelinde Form des Halswickels besteht darin, daß man mit der Hand oder mit einem Handtuche den ganzen Hals naß macht und ihn mit einer trockenen groben Linnenbinde in 3–4 Windungen („Umgängen“) sorgfältig, aber nicht zu fest umwindet. Es soll eben der Zutritt der frischen Luft zu der benetzten Stelle verhindert werden.
Die zweite Art der Wickelung geschieht also, daß ein weiches Handtuch in frisches Wasser getaucht und um den Hals gelegt wird. Das nasse deckt ein trockenes Handtuch und beide eine Woll- oder Flanellbinde. Wer diese nicht besitzt, kann jedweden trockenen Wollstoff verwenden und soll nur stets für luftdichtes Abschließen besorgt sein.
Nach meiner ganzen bisherigen Erfahrung muß ich im Allgemeinen gegen langwährende Anwendungen sprechen; sie bewirken sehr oft das Gegenteil von dem, was sie bezwecken: Verschlimmerung statt Besserung. Das ist denn sehr oft mit ein Hauptgrund, daß die Anwendungen überhaupt den Kredit, das Vertrauen einbüßen. Ein derart abgeschreckter, weil getäuschter Kranker bleibt stets schwer zu bekehren, alle Überredungs- und Überzeugungkünste scheitern.
Diese allgemeine Bemerkung möchte ich jetzt insbesondere auf die Wickelungen beziehen, den Halswickel nicht ausgenommen.
Sämtliche Wickel wollen und sollen vorzüglich dahin wirken, übermäßiges, ungeordnetes Strömen des Blutes nach irgend einer Stelle hin zu verhindern, das Blut abzulenken, wegzuziehen von dieser Stelle, sodann sehr große Hitze aus- und abzuleiten.
Wenn ich den Wickel nun allzu lange, z. B. eine ganze Nacht an der kranken Stelle belasse, so wird diese Stelle warm und immer wärmer, es strömt mehr Blut zu, sie wird zuletzt oft fürchterlich heiß, und die Entzündung, das Übel, muß verschlimmert werden.
Die Folgerungen, welche sich hieraus für den Halswickel ergeben, liegen auf der Hand.
Ich bin durchaus gegen vielstündige oder gar ganznächtige Anwendungen. Eine vollständige Anwendung dauert bei mir 1, höchstens 1½ Stunden, und es soll nach jeder halben Stunde, unter Umständen nach je 20 Minuten, der nasse Umschlag erneuert, das ist von neuem eingetaucht und nach obiger Weise umwunden werden. Dieses Neueintauchen kann also innerhalb einer Anwendung 2–4 mal geschehen. Es ist nicht bei jedem Patienten gleich und hängt ab von der geringeren oder größeren Hitze, welche derselbe verspürt. Das Gefühl einer gewissen Unlust und Bangigkeit darf als der beste Zeiger gelten, der die Zeit zum Wechseln angibt.
Bei Halsentzündungen, Schlingbeschwerden, bei manchen Kopfleiden ist der Halswickel vorgeschrieben; zu gleicher Zeit wird man suchen, durch Anwendungen auf andere Körperteile, z. B. die Füße (nasse Socken), oder auf dem ganzen Körper ihm entgegenzuarbeiten.