Folgende Anwendungen wurden vorgeschrieben: 1) In der Woche zwei warme Bäder 37–40 Grad Celsius von gesottenem Haberstroh mit drei Wechseln und zwar jedesmal 10 Minuten lang in das warme und eine halbe bis eine Minute in's kalte Wasser, so dreimal, statt dessen manchmal eine Ganzabwaschung; 2) in der Woche zweimal ein Hemd anziehen, ebenfalls in warmes Haberstrohwasser getaucht, 1½–2 Stunden lang; 3) die Geschwülste an Händen und Füßen wurden täglich zwei bis vier Stunden lang in angeschwellte Heublumen eingewickelt. Nach zwei Stunden aber mußten die Heublumen erneuert werden. Zum Einnehmen bekam der Kranke täglich eine Tasse Thee von 12 zerstoßenen Wachholderbeeren und etwas Wermuth, zehn Minuten lang gesotten und in kleinen Portionen, während des Tages zu trinken. Nach 16 Tagen zeigte sich der Kranke, die Geschwülste waren bereits niedergegangen, die Steifheit hatte aufgehört, das Aussehen war wie umgewandelt. Dieser Kranke bekam dann weiter folgende Anwendungen: 1) In der Woche einmal ein in Haberstrohwasser getauchtes Hemd anziehen, und 1½ Stunden lang in demselben bleiben; 2) in der Woche einen Unterwickel von den Armen ganz hinunter, 1½ Stunden lang, in Haberstrohwasser getaucht; 3) die Wachholderbeerkur. Nach 14 Tagen erklärte sich der Kranke für ganz gesund und bekam als weiteren Rath, in der Woche zwei Halbbäder zu nehmen, um die ganze Natur zu kräftigen.

Die Wirkung der Anwendungen ist diese: Die warmen Bäder greifen am tiefsten ein zur Auflösung der Giftstoffe; der Wechsel zwischen warm und kalt ist nothwendig, damit die Hitze nicht zu groß und die Natur nicht zu sehr verweichlicht wird, wirkt aber besonders stärkend auf die Natur. Die Hemde wirken langsam auflösend und nebenzu ausleitend. Was die Bäder auf den ganzen Körper wirkten, das erreichten bei der Geschwulst in erhöhtem Maße die angeschwellten Heublumen. Der Thee that das Seinige im Innern zur Auflösung und Reinigung. Die zweiten Anwendungen waren eine gelinde Fortsetzung der ersten.

3.

Von weiter Ferne kommt ein Schmiedmeister, 31 Jahre alt, und erzählt: „Ich bin gänzlich arbeitsunfähig, bin recht arm und kann für meine Familie den Unterhalt nicht verdienen. Meine Schultern sind zeitweilig geschwollen, auch die Kniee; dann habe ich auch Schmerzen am ganzen Leibe, daß ich Nächte hindurch nicht schlafen kann; Appetit selten. So leide ich vier Jahre, und es steigerte sich bis jetzt das Übel so, daß ich nichts mehr thun kann. Ich mußte Bäder besuchen; die Ärzte haben mir viel zum Einnehmen verschrieben, ich habe aber keine Hilfe gefunden.“

Hier ist Gichtleiden und Rheumatismus ganz sicher. Zur Heilung folgende Anwendung: 1) Acht Tage lang täglich zwei Obergüsse und zwei Schenkelgüsse, mit täglich zunehmender Stärke; 2) jeden dritten Tag ein Halbbad, eine halbe Minute lang; 3) täglich eine Tasse Thee von Zinnkraut, Wachholderbeeren und etwas Wermuth. Nach acht Tagen weitere Anwendungen: 1) Jeden Tag ein Halbbad, eine Minute lang; 2) jeden Tag einen Rückenguß und starken Oberguß. Nach 14 Tagen war der Schmiedmeister soweit hergestellt, daß aller Rheumatismus verschwunden, jede Geschwulst beseitigt, guter Schlaf und Appetit eingetreten war und der Mann gesund und Gott dankend zu den Seinigen zurückkehrte.

Die Obergüsse und Schenkelgüsse wirkten erwärmend, kräftigend auf den Körper und verdrängten den Rheumatismus; ebenso lösten diese Güsse die vagirenden Geschwülste. Die Halbbäder wirkten stärkend auf den ganzen Körper, und der eingenommene Thee entfernte im Innern alle ungesunden Stoffe. Um noch mehr Kraft zu erhalten und die Natur vor Rückfall zu schützen, reichten zwei bis drei Halbbäder in der Woche aus.

4.

Eine Frau, 42 Jahre alt, hatte viele Jahre hindurch Gichtleiden und, wie sie erzählte, Unsägliches ausgestanden; aber Alles, was sie gebraucht, habe ihr nicht geholfen. Ganze Nächte, ja Wochen hindurch habe sie nicht eine Stunde ordentlich geschlafen. Geschwülste hatten sich nie gebildet.

Diese Frau bekam 1) Innerhalb drei Wochen jeden Tag Ober- und Knieguß; 2) dreimal in der Woche ein Halbbad und zweimal in der Woche Ganzwaschung. Eingenommen hatte sie täglich eine Tasse Thee in drei Portionen von Johanniskraut und Schafgarbe mit ein wenig Wermuth. Nach drei Wochen hatte sie mehr als guten Appetit, konnte jede Nacht sieben bis acht Stunden schlafen, und alle Schmerzen waren verschwunden.

Hier war die Gicht mehr in den Muskeln als in den Gelenken; deßhalb wurde stärkend auf den ganzen Körper eingewirkt durch die Gießungen. Diese bewirkten größere Wärme und somit auch größere Ausdünstung. Sie wurden noch unterstützt durch die Waschungen, die ebenfalls erwärmend und kräftigend wirkten. Der Thee wirkte auf gute Säfte und ganz besonders auf Regelung des Blutlaufes, woran es auch fehlte.