Sie waren endlich dorthin gekommen, wo der Berg nackt, ohne Pflanzen und Bäume stand, und wo ein Eremit sich eine Hütte erbaut hatte, um in Not geratnen Wandersleuten beispringen zu können.
Dann waren sie über die Schneefelder gegangen, wo die Murmeltiere schlafen, und hinauf zu den wilden, zusammengetürmten Eismassen gelangt, bis zu denen kaum ein Steinbock vordringen kann.
Dort oben hatte unser Herr einen kleinen Vogel mit roter Brust gefunden, der erfroren auf dem Eise lag, und er hatte den kleinen Dompfaffen aufgehoben und eingesteckt. Und Sankt Petrus erinnerte sich, daß er neugierig gewesen war, ob dieser Vogel ihr Mittagbrot sein würde.
Sie waren eine lange Strecke über die schlüpfrigen Eisstücke gewandert, und es wollte Sankt Peter bedünken, als wäre er dem Totenreiche nie so nah gewesen, denn ein todeskalter Wind und ein todesdunkler Nebel hüllten sie ein, und weit und breit fand sich nichts Lebendes. Und doch waren sie nicht höher gekommen, als bis zur Mitte des Berges. Da hatte er unsern Herrn gebeten, umkehren zu dürfen.
„Noch nicht,“ sagte unser Herr, „denn ich will dir etwas weisen, was dir den Mut geben wird, alle Sorgen zu tragen.“
Und sie waren durch Nebel und Kälte weiter gewandert, bis sie eine unendlich hohe Mauer erreicht hatten, die sie nicht weiterkommen ließ.
„Diese Mauer geht rings um den Berg,“ sagte unser Herr, „und du kannst sie an keinem Punkte übersteigen. Auch kann kein Mensch etwas von dem erblicken, was dahinter liegt, denn hier ist es, wo das Paradies anfängt, und hier wohnen die seligen Toten den ganzen Berghang hinauf.“
Da hatte der heilige Petrus es nicht lassen können, ein mißtrauisches Gesicht zu machen. „Dort drinnen ist nicht Dunkel und Kälte wie hier,“ sagte unser Herr, „sondern dort ist grüner Sommer und heller Schein von Sonnen und Sternen.“ Aber Sankt Petrus vermochte ihm nicht zu glauben.
Da nahm unser Herr den kleinen Vogel, den er vorhin auf dem Eisfelde gefunden hatte, und bog sich zurück und warf ihn über die Mauer, so daß er ins Paradies hineinfiel.
Und gleich darauf hörte der heilige Petrus ein jubelndes, fröhliches Zwitschern und erkannte den Gesang eines Dompfaffen und verwunderte sich höchlich.