Da brauste mit einem Male durch die ganze Kirche der laute Ruf: „Der Vogel brennt! Die heilige Lichtflamme hat seine Flügel entzündet!“
Der kleine Vogel piepste ängstlich. Er flog ein paar Augenblicke wie eine flatternde Flamme unter den hohen Wölbungen des Chors umher. Dann sank er rasch und fiel tot vor dem Altar der Madonna nieder.
Aber in demselben Augenblick, wo der Vogel auf den Altar niederfiel, stand Raniero da. Er hatte sich einen Weg durch die Kirche gebahnt, nichts hatte ihn halten können. Und an den Flammen, die die Schwingen des Vogels verzehrten, entzündete er die Kerzen vor dem Altar der heiligen Jungfrau.
Da erhob der Bischof seinen Stab und rief: „Gott wollte es! Gott hat für ihn gezeugt!“
Und alles Volk in der Kirche, seine Freunde wie seine Widersacher, hörten auf zu zweifeln und zu staunen. Sie riefen alle, von Gottes Wunder hingerissen: „Gott wollte es! Gott hat für ihn gezeugt!“
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Von Raniero ist noch zu berichten, daß er hinfort seiner Lebtag großes Glück genoß und weise, behutsam und barmherzig war. Aber das Volk von Florenz nannte ihn immer Pazzo di Raniero, zur Erinnerung daran, daß man ihn für toll gehalten hatte. Und dies ward ein Ehrentitel für ihn. Er gründete ein edles Geschlecht, und dieses nahm den Namen Pazzo an, und so nennt es sich noch heute.
Es mag weiter berichtet werden, daß es in Florenz Sitte wurde, jedes Jahr am Karsamstagabend ein Fest zur Erinnerung an Ranieros Heimkunft mit dem heiligen Feuer zu feiern, und daß man dabei immer einen künstlichen Vogel mit Feuer durch den Dom fliegen läßt. Und so wird dieses Fest wohl auch noch in diesem Jahre begangen worden sein, wenn nicht ganz vor kurzem eine Änderung eingetreten ist.