„Du weißt,“ sagte der Hauptmann, „daß König Herodes einmal ums andre versucht hat, sich eines Kindleins zu bemächtigen, das hier in Bethlehem aufwächst. Seine Seher und Priester haben ihm gesagt, daß dieses Kind seinen Thron besteigen werde, und außerdem haben sie prophezeit, daß der neue König ein tausendjähriges Reich des Friedens und der Heiligkeit gründen werde. Du begreifst also, daß Herodes ihn gerne unschädlich machen will.“
„Freilich begreife ich es,“ sagte der Kriegsknecht eifrig, „aber das muß doch das Leichteste auf der Welt sein.“
„Es wäre allerdings sehr leicht,“ sagte der Hauptmann, „wenn der König nur wüßte, welches von allen den Kindern hier in Bethlehem gemeint ist.“
Die Stirne des Kriegsknechts legte sich in tiefe Falten. „Es ist bedauerlich, daß seine Wahrsager ihm hierüber keinen Aufschluß geben können.“
„Jetzt aber hat Herodes eine List gefunden, durch die er glaubt, den jungen Friedensfürsten unschädlich machen zu können,“ fuhr der Hauptmann fort. „Er verspricht jedem eine herrliche Gabe, der ihm hierin beistehen will.“
„Was immer Voltigius befehlen mag, es wird auch ohne Lohn oder Gabe vollbracht werden,“ sagte der Soldat.
„Habe Dank,“ sagte der Hauptmann. „Höre nun des Königs Plan! Er will den Jahrestag der Geburt seines jüngsten Sohnes durch ein Fest feiern, zu dem alle Knaben in Bethlehem, die zwischen zwei und drei Jahren alt sind, mit ihren Müttern geladen werden sollen. Und bei diesem Feste — — —“
Er unterbrach sich und lachte, als er den Ausdruck des Abscheus sah, der sich auf dem Gesichte des Soldaten malte.
„Guter Freund,“ fuhr er fort, „du brauchst nicht zu befürchten, daß Herodes uns als Kinderwärter verwenden will. Neige nun dein Ohr zu meinem Munde, so will ich dir seine Absichten anvertrauen.“