„Nein,“ sagte Judas, „du darfst sie nicht anrühren. Sie sind gut genug, wie sie sind.“
Er stand auf, während seine Stirn sich furchte und seine Lippen sich aufeinander preßten. Und er setzte seinen breiten Fuß auf die Vögel und verwandelte sie einen nach dem andern in kleine abgeplattete Lehmklumpen.
Als seine Vögel alle zerstört waren, ging er auf Jesus zu, der dasaß und seine kleinen Tonvögel streichelte, die wie Juwelen funkelten. Judas betrachtete sie eine Weile schweigend, aber dann hob er den Fuß und trat einen von ihnen nieder.
Als Judas den Fuß zurückzog und den ganzen kleinen Vogel in grauen Lehm verwandelt sah, empfand er eine solche Wollust, daß er zu lachen begann, und er hob den Fuß, um noch einen zu zertreten.
„Judas,“ rief Jesus, „was tust du? Weißt du nicht, sie sind lebendig und können singen?“
Aber Judas lachte und zertrat noch einen Vogel.
Jesus sah sich nach Hilfe um. Judas war groß, und Jesus hatte nicht die Kraft, ihn zurückzuhalten. Er schaute nach seiner Mutter aus. Sie war nicht weit weg, aber ehe sie herankäme, konnte Judas schon alle seine Vögel zerstört haben. Die Tränen traten Jesus in die Augen. Judas hatte schon vier seiner Vögel zertreten, es waren nur noch drei.
Er war seinen Vögeln gram, daß sie so stille standen und sich niedertreten ließen, ohne auf die Gefahr zu achten. Jesus klatschte in die Hände, um sie zu wecken, und rief ihnen zu: „Fliegt, fliegt!“
Da begannen die drei Vögel ihre kleinen Flügel zu regen, und ängstlich flatternd vermochten sie sich auf den Rand des Daches zu schwingen, wo sie geborgen waren.