„Was mich betrifft,“ sagte der Mann, „so bin ich gewiß, daß alles gut gehen wird, wenn er gar nichts von den Zeichen und Wundern erfährt, die sich in seinen ersten Lebensjahren begeben haben.“

„Ich spreche nie mit ihm über etwas von diesem Wunderbaren,“ sagte die Frau. „Aber ich fürchte immer, daß ohne mein Hinzutun etwas geschehen könnte, was ihn erkennen läßt, wer er ist. Vor allem hatte ich Angst, ihn in diesen Tempel zu führen.“

„Du kannst froh sein, daß die Gefahr nun vorüber ist,“ sagte der Mann. „Bald haben wir ihn wieder daheim in Nazareth.“

„Ich habe mich vor den Schriftgelehrten im Tempel gefürchtet,“ sagte die Frau. „Ich fürchtete mich vor den Wahrsagern, die hier auf ihren Matten sitzen. Ich glaubte, wenn er ihnen unter die Augen träte, würden sie aufstehen und sich vor dem Kinde beugen und es als den König der Juden grüßen. Es ist seltsam, daß sie seiner Herrlichkeit nicht gewahr werden. Ein solches Kind ist ihnen noch niemals vor Augen gekommen.“

Sie saß eine Weile schweigend und betrachtete das Kind. „Ich kann es kaum verstehen,“ sagte sie. „Ich glaubte, wenn er diese Richter sehen würde, die in dem heiligen Hause sitzen und die Zwiste des Volkes schlichten, und diese Lehrer, die zu ihren Jüngern sprechen, und diese Priester, die dem Herrn dienen, so würde er erwachen und rufen: ‚Hier unter diesen Richtern, diesen Lehrern, diesen Priestern zu leben bin ich geboren.‘“

„Was sollte dies wohl für ein Glück sein, zwischen diesen Säulengängen eingesperrt zu sitzen?“ fiel der Mann ein. „Es ist besser für ihn, auf den Hügeln und Bergen rings um Nazareth umherzuwandern.“

Die Mutter seufzte ein wenig. „Er ist so glücklich bei uns daheim,“ sagte sie. „Wie zufrieden ist er, wenn er die Schafherden auf ihren einsamen Wanderungen begleiten darf, oder wenn er über die Felder geht und der Arbeit der Landleute zusieht! Ich kann nicht glauben, daß wir unrecht gegen ihn handeln, wenn wir versuchen, ihn für uns zu behalten.“

„Wir ersparen ihm nur das größte Leid,“ sagte der Mann.

Sie fuhren fort, so miteinander zu sprechen, bis das Kind aus seinem Schlummer erwachte.