Er lag auf seiner Ruhebank und sog dieses Bild mit den Augen ein. „Ist dies ein Mensch?“ fragte er sacht und leise. „Ist dies ein Mensch?“

Wieder lag er still und betrachtete das Bild. Die Tränen begannen über seine Wangen zu strömen. „Ich traure über deinen Tod, du Unbekannter,“ flüsterte er.

„Faustina,“ rief er endlich, „warum ließest du diesen Mann sterben? Er hätte mich geheilt.“

Und wieder versank er in die Betrachtung des Bildes.

„Du Mensch,“ sagte er nach einer Weile. „Wenn ich nicht mein Heil von dir empfangen kann, so kann ich dich doch rächen. Meine Hand wird schwer auf denen ruhen, die dich mir gestohlen haben.“

Wieder lag er lange Zeit schweigend, dann aber ließ er sich zu Boden gleiten und sank vor dem Bilde auf die Kniee.

„Du bist der Mensch,“ sagte er. „Du bist, was ich nie zu sehen gehofft habe.“ Und er deutete auf sich selbst, sein zerstörtes Gesicht und seine zerfressenen Hände. „Ich und alle andern, wir sind wilde Tiere und Ungeheuer, aber du bist der Mensch.“

Er neigte den Kopf so tief vor dem Bilde, daß er die Erde berührte. „Erbarme dich meiner, du Unbekannter!“ sagte er, und seine Tränen benetzten die Steine.

„Wenn du am Leben geblieben wärest, so hätte dein bloßer Anblick mich geheilt,“ sagte er.

Die arme alte Frau erschrak darüber, was sie getan hatte. Es wäre klüger gewesen, dem Kaiser das Bild nicht zu zeigen, dachte sie. Sie hatte von Anfang an gefürchtet, daß sein Schmerz allzu groß sein würde, wenn er es sähe.