»Ein rollender Stein deckt sich nicht mit Moos,« sagt die alte Frau Lagerlöf. Sie ist nicht recht zufrieden damit, daß die Sohnestochter so eine werden soll, die in Land und Reich herumzieht. »Ich verstehe: wenn sie kränklich ist, dann wird sie auch arm sein und zu den Verwandten herumgeschickt werden,« fährt sie fort. »Der hat es schlimm, der nicht arbeiten und sich nützlich machen kann.«
»Sie wird all ihr Lebtag arbeiten und sich plagen müssen,« sagt Tante Wennervik nach einer neuen Rechnung. »Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Schwester.«
»Ja so, dann kommt es wohl so, daß sie ihr Brot bei Fremden verdienen und oftmals die Herrschaft wechseln muß,« sagt die alte Frau Lagerlöf und seufzt; denn es scheint ihr, die ihr ganzes Leben lang auf dem eignen Hof gesessen hat, daß ein Leben bei Fremden das Allerärgste sein müsse. Aber da sie es von jeher gewohnt ist, alles zum Besten zu wenden, erhellt sich ihr Gesicht bald. »Es hat dir ja auch nur Segen gebracht, Schwester, bei Fremden zu sein,« sagt sie. »Wenn sie ein ebenso tüchtiger Mensch werden kann, dann hat es keine Not.«
»Sie wird in ihrem ganzen Leben kein Gewebe aufziehen,« sagt Tante Wennervik, die Nase in den Karten und so davon ausgefüllt, die Zukunft zu erforschen, daß sie sich kaum klarmacht, was sie prophezeit. »Sie wird viel mit Büchern und Papieren zu tun haben.«
Die alte Frau Lagerlöf beugt sich über die Karten, wie um einen Leitfaden in all dieser Wirrnis zu finden. »Sie wird viel mit Büchern zu tun haben? Du meinst vielleicht, Schwester, daß sie einen armen Geistlichen heiraten wird, der von einem Kirchspiel ins andre ziehen muß und nie zur Ruhe kommt,« warf sie hin. »Aber wenn es nur ein ordentlicher Mann ist, der sie gut behandelt ...«
Tante Wennervik erhebt den Zeigefinger gerade in die Luft und unterbricht sie. »Willst du, Schwester, daß ich dir sage, wie es ist?« fragt sie.
»Gewiß will ich das,« antwortet die alte Frau Lagerlöf.
»Sie wird nie heiraten.«
»So, so, sie wird nie heiraten ... Na ja, dann bleiben ihr vielleicht viele Sorgen erspart. Aber weißt du, das ist gerade keine gute Prophezeiung, die du mich heute abend hören läßt, Schwester. Aber du kannst mir doch wenigstens sagen, ob sie ein braver, guter Mensch wird?«
»Gut und freundlich wird sie sein,« sagte Tante Wennervik und guckt wieder in die Karten, um nachzusehen, was sie ihr noch weiter zu sagen haben. Aber die alte Frau Lagerlöf unterbricht sie etwas trocken: