Es wird den Leuten so schwer, sich zu erinnern, daß sie Frau Sintram ist. Alle nennen sie Mamsell Dillner. Deswegen soll die Polka ihrer Reue Ausdruck verleihen, daß sie sich von der Eitelkeit hat verlocken lassen, nach dem Frauentitel zu trachten.

Die alte Ulrika spielt, als wolle sie die Saiten zersprengen. Da ist so viel zu übertäuben: Wehrufe von verarmten Bauern, Flüche ausgesogener Arbeiter, Hohngelächter trotziger Dienstboten und vor allem die Schande – die Schande, die Frau eines bösen Mannes zu sein.

Zu diesen Tönen hat Gösta Berling den Tanz mit der jungen Gräfin Dohna aufgeführt. Marianne Sinclaire und ihre vielen Bewunderer haben danach getanzt, und die Majorin auf Ekeby hat sich im Takt zu diesen Tönen geschwungen, als der schöne Altringer noch lebte. Sie sieht sie vorüberwirbeln, Paar auf Paar, vereint in Jugend und Schönheit. Es ging ein Strom von Munterkeit von ihnen auf sie über, von ihr auf sie. Ihre Polka machte ihre Wangen glühen, ihre Augen strahlen. Jetzt ist sie von alledem geschieden. Laß die Polka ertönen – da sind so viele, so viele Erinnerungen zu übertäuben!

Sie spielt, um ihre Angst zu betäuben. Ihr Herz ist nahe daran, vor Entsetzen zu zerspringen, wenn sie den

schwarzen Hund sieht, wenn sie die Dienstboten von den schwarzen Stieren flüstern hört. Sie spielt die Polka wieder und wieder, um ihre Angst zu übertäuben.

Da merkt sie, daß ihr Mann nach Hause gekommen ist. Sie hört, daß er ins Zimmer kommt und sich in einen Schaukelstuhl setzt. So gut kennt sie den Ton, wenn die Gängeln den Fußboden knirschend berühren, daß sie sich nicht einmal umzusehen braucht.

Und während sie spielt, fährt das Schaukeln fort – jetzt hört sie die Töne nicht mehr, sondern nur das Schaukeln.

Arme alte Ulrika, vergrämt, einsam, hilflos, verirrt in Feindesland, ohne einen Freund, dem sie ihr Leid klagen kann, ohne einen andern Tröster als das alte, klapperige Klavier, das ihr mit einer Polka antwortet! Es klingt wie ein schallendes Gelächter bei einem Begräbnis, wie ein Trinklied in einer Kirche.

Während aber der Schaukelstuhl fortfährt zu schaukeln, hört sie plötzlich, daß das Klavier ihrer Klage spottet, und sie hält mitten im Takt inne. Sie erhebt sich und sieht nach dem Schaukelstuhl hinüber.

Im nächsten Augenblick aber liegt sie ohnmächtig an der Erde. Dort im Schaukelstuhl saß nicht ihr Mann, sondern ein anderer – er, dessen Namen die Kinder nicht zu nennen wagen, er, vor dem sie tot umgefallen wären, wenn sie ihn auf dem einsamen Boden getroffen hätten.