Ihr Kinder später Zeiten! Ich verlange ja nicht, daß jemand diese alten Geschichten glauben soll. Es kann ja nichts weiter sein als Lügen und Hirngespinste. Aber die Reue, die über dem Herzen hin und her wiegt, bis es kreischt und jammert wie die Dielenbretter in Sintrams Saal unter den Gängeln des Schaukelstuhls, und der Zweifel, der in den Ohren klingelt, wie die Schlittenglocken vor Anna Stjärnhöks Ohren in dem einsamen Walde erklangen, wann werden die zu Lügen und Hirngespinsten?
Ach, daß sie es werden könnten!
Ebba Dohnas Geschichte
Die schöne Landzunge am östlichen Ufer des Löfsees, die von den sanften Wellen der Bucht umspielt wird, die stolze Landzunge, wo das Schloß Borg liegt, die zu betreten mußt du dich hüten!
Niemals sieht man den See schöner als von der Spitze dieser Landzunge. Niemand weiß, wie schön der See meiner Träume ist, bevor er von dort aus die Morgennebel hat über die glatte Fläche gleiten sehen, bevor er aus dem Fenster in dem kleinen Kabinett, wo so viele Erinnerungen wohnen, einen rosigen Sonnenuntergang sich im See hat spiegeln sehen.
Aber ich sage trotzdem: »Geh nicht dahin!«
Denn vielleicht ergreift dich der Wunsch, in den trauererfüllten Sälen des alten Schlosses zu weilen, vielleicht erwirbst du dir diesen schönen Fleck als Eigentum, und wenn du jung, reich und glücklich bist, schlägst du vielleicht dort dein Heim mit einer jungen Gattin auf.
Nein, es ist besser, die schöne Landzunge gar nicht zu sehen, denn auf Borg kann kein Glück wohnen. Das mußt du wissen: Wie reich, wie glücklich du auch sein magst, der du in das Schloß einziehst, so werden die alten, tränengetränkten Dielen auch bald von deinen Tränen genetzt werden, diese Wände, die so manchen Klagelaut von sich geben könnten, werden auch deine Seufzer aufnehmen und aufbewahren.
Es ruht ein unsanftes Schicksal über diesem schönen Schloß. Es ist, als läge das Unglück dort begraben, könne aber nicht Ruhe finden in seinem Grabe; beständig steht es wieder auf, um die Lebenden zu erschrecken. Wenn ich Herr auf Borg wäre, würde ich die Erde durchwühlen, sowohl den Steingrund des Tannenwaldes als den Boden des Kellers und die schwarze Erde draußen auf den Feldern, bis ich die wurmzerfressene Leiche der Hexe fände, und dann würde ich ihr ein Grab in geweihter Erde auf dem Svartfjöer Kirchhof geben. Und