Freilich waren auch die andern Kavaliere nicht lauter zahme Vögel; bei keinem aber brannte das Blut so heiß wie bei Vetter Kristoffer. Eine Bärenjagd war das einzige, was seine schlaffen Lebensgeister wieder anzuregen vermochte – eine Bärenjagd oder eine Frau – eine einzige Frau.

Er war wieder aufgelebt, als er vor zehn Jahren zum erstenmal Gräfin Märta gesehen hatte, die damals schon Witwe war. Eine Frau, launenhaft wie der Krieg, anstachelnd wie die Gefahr, ein sprudelndes, keckes Wesen – er liebte sie.

Und nun saß er da und wurde alt und grau, ohne sie zur Gattin begehren zu können. Jetzt hatte er sie seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Er welkte und starb allmählich hin, wie ein Adler in der Gefangenschaft. Mit jedem Jahr wurde er dürrer und frostiger. Er mußte tiefer in den Pelz und näher an den Ofen heran kriechen.


Und so sitzt er da, erfroren, zerzaust und grau an dem Morgen des Tages, da man am Abend die Osterschüsse abfeuern will. Die Kavaliere sind alle aus – er aber sitzt in seiner Ofenecke.

Ach, Vetter Kristoffer, Vetter Kristoffer, weißt du es denn nicht?

Der lächelnde Lenz ist gekommen. Die Natur erwacht aus ihrem bleiernen Schlaf, und in den blauen Wolken tummeln sich schmetterling-beschwingte Wesen in übermütigem Spiel. Dicht aneinandergedrängt wie die Blüten

an einem wilden Rosenbusch schimmern ihre Gesichter aus den Wolken heraus. Sie läuten es in die Welt hinein wie mit tausend Sturmglocken: »Lust und Freude! Lust und Freude! Er ist gekommen, der sprudelnde Lenz!«

Vetter Kristoffer aber sitzt regungslos da und versteht nichts. Er beugt sein Haupt herab auf die steifen Finger und träumt von Kugelregen und vom Baum der Ehre, der auf dem Schlachtfelde wächst. Vor seinem geistigen Auge erblühen Rosen und Lorbeeren, die nicht der sanften Schönheit des Lenzes bedürfen.

Es ist doch ein Jammer um ihn, den einsamen alten Fremdling, der dort oben in dem Kavalierflügel sitzt, ohne Volk, ohne Land, er, der nie einen Laut von der Sprache seines Heimatlandes hört, er, dessen Los einst ein namenloses Grab auf dem Broer Kirchhof sein wird. Was kann er dafür, daß er ein Adler ist, geboren zu verfolgen und zu töten?