O, es war ein wunderliches Leichenbegängnis! Sonne und lichte Wolken machten den Tag strahlend, lange Reihen von Roggenhocken schmückten die Felder. Die Sommeräpfel im Garten des Propsthofes schimmerten durchsichtig und klar, und im Garten des Küsters strahlten Nelken und Georginen.
Es war ein wunderlicher Leichenzug, der die Lindenallee hinabging. Vor dem blumengeschmückten Sarge schritten schöne Kinder einher und streuten Blumen. Da waren keine Trauerkleider, keine Kreppflore, keine Schneppenhauben zu erblicken, denn die Mutter hatte es so gewollt, daß er, der heiter gestorben, nicht von einem traurigen Leichenzuge, sondern von einem glänzenden Hochzeitszuge nach der guten Freistätte geleitet werden sollte.
Dem Sarge zunächst ging Anna Stjärnhök, die schöne, strahlende Braut des Verstorbenen. Sie hatte den Brautkranz auf ihr Haupt gesetzt, sich in den Brautschleier gehüllt und ein Brautgewand von weißer, schimmernder Seide mit langer Schleppe angelegt. So geschmückt ging sie, um dem Grabe, um einem dahingeschiedenen Bräutigam geweiht zu werden.
Und nach ihr kam Paar auf Paar, stattliche alte Damen und Herren. Die schönen, vornehmen Frauen kamen mit schimmernden Spangen und Broschen, mit milchweißen Perlhalsgeschmeiden und Armbändern aus Gold. Die Federn in ihren Turbanen ragten hoch auf zwischen dem Seidenstoff und den Spitzen, und von ihren Schultern wogten die dünnen seidenen Schals, die
sie einst als Brautgeschenk erhalten hatten, über bunte, seidene Kleider hinab. Und die Männer kamen in ihrem schönsten Staat mit bauschenden Jabots, in Leibröcken mit hohen Kragen und vergoldeten Knöpfen und mit Westen aus steifem Brokat oder reich gesticktem Samt. Es war ein Hochzeitszug: die Herrin von Berga hatte es so gewollt.
Sie selber ging dicht hinter Anna Stjärnhök am Arme ihres Gatten. Hätte sie ein Kleid aus schimmerndem Brokat besessen, sie würde es angelegt haben, hätte sie Geschmeide und einen prachtvollen Turban ihr eigen genannt, sie würde sie getragen haben an dem Ehrentage ihres Sohnes. Nun aber hatte sie nichts als dies schwarzseidene Kleid und diese gelben Spitzen, die sie auf so vielen Festen getragen hatte, und die trug sie auch auf diesem Fest.
Obwohl die Gäste mit Pomp und Pracht zum Begräbnis kamen, blieb doch kein Auge trocken, während sie bei leisem Glockengeläute zum Grabe hinauswanderten. Männer und Frauen weinten, nicht so sehr über den Toten wie über sich selbst. Siehe, da ging die Braut, dort trug man den Bräutigam, da wanderten sie selber festlich geschmückt – wo ist der Mensch, der auf Gottes grüner Erde wandelt und nicht weiß, daß er dem Kummer, der Sorge, dem Unglück, dem Tode anheimgefallen ist? Sie gingen einher und weinten bei dem Gedanken, daß nichts in der Welt imstande sei, sie zu beschützen.
Die Mutter weinte nicht, sie war aber auch die einzige, deren Augen trocken blieben.
Als das Ritual verlesen und das Grab zugeschüttet war, kehrten alle zu den Wagen zurück. Nur Frau Uggla und
Anna Stjärnhök blieben am Grabe zurück, um dem Toten ein letztes Lebewohl zu sagen. Die Alte hockte sich auf den Grabhügel, und Anna setzte sich neben sie.