»Ich merke schon, du willst nicht antworten. Dann hat Sintram doch die Wahrheit geredet.« Und Gösta kehrt zu den Kavalieren zurück. Er rührt keinen Finger, um der Majorin zu helfen.

Ach, hätte doch die Majorin die Kavaliere nicht an einen Tisch für sich in die Ecke gesetzt! Jetzt sind die Gedanken der Nacht in ihren Gehirnen erwacht, jetzt funkelt in ihren Augen ein Zorn, der nicht geringer ist als der des Majors. Muß nicht alles, was sie sehen, die nächtlichen Gesichte bestätigen?

»Es ist sehr wohl zu merken, daß ihr Kontrakt nicht erneuert wurde«, murmeln sie.

Nein, von dieser murrenden, drohenden Kavalierschar hat die Majorin keine Hilfe zu erwarten.

So weicht sie denn wieder zurück bis an die Tür und hebt die gefalteten Hände vors Gesicht.

»Mögest du verleugnet werden, wie ich verleugnet worden bin!« ruft sie sich selber in bitterem Schmerz zu. »Möge die Landstraße dein Heim, der Graben dein Bett werden!«

Dann legt sie die eine Hand auf das Türschloß, die andere aber hebt sie hoch in die Höhe: »Merkt es euch, ihr, die ihr mich jetzt fallen laßt! Merkt es euch, daß eure Stunde gar bald kommen wird. Jetzt werdet ihr euch zerstreuen, und euer Platz wird leer stehen. Wie werdet ihr stehen können, wenn ich euch nicht stütze? Du, Melchior Sinclaire, der du eine schwere Hand hast und die Deinen sie fühlen läßt, nimm dich in acht! Du, Pfarrer zu Broby, nun kommt das Strafgericht! Du, Frau Uggla, gib acht auf dein Haus, die Armut kommt! Ihr jungen, schönen Frauen, Elisabeth Dohna, Marianne Sinclaire, Anna Stjärnhök, glaubt nicht, daß ich die einzige bleibe, die von ihrem Hause fliehen muß! Und ihr, Kavaliere, nehmt euch in acht, jetzt kommt ein Sturm übers Land gezogen. Ihr werdet von der Erde fortgefegt werden, jetzt ist eure Zeit um! Ich klage nicht meinetwegen, sondern euretwegen, denn der Sturm wird über eure Häupter hinfahren, und wer vermag zu stehen, wenn ich gefallen bin? Ach, mein Herz blutet um der armen, elenden Menschen willen! Wer wird ihnen Arbeit schaffen, wenn ich fort bin?«

Die Majorin öffnet die Tür; da aber hebt Hauptmann Christian den Kopf in die Höhe und sagt: »Wie lange soll ich hier zu deinen Füßen liegen, Margarete Celsing? Willst du mir nicht verzeihen, auf daß ich aufstehen und für dich streiten kann?«

Da kämpft die Majorin einen harten Kampf mit sich selber; aber sie sieht, daß er, wenn sie ihm verzeiht, sich erheben und mit ihrem Gatten kämpfen wird, und daß der Mann, der sie vierzig Jahre lang treu geliebt hat, zum Mörder werden muß.

»Soll ich nun auch noch verzeihen?« sagt sie. »Bist du nicht schuld an all meinem Unglück, Christian Bergh? Kehre zurück zu den Kavalieren und freue dich deines Werkes!«