Die Majorin sprach mit ihren Erinnerungen. Das Mädchen seufzte und schluchzte nicht, doch Träne auf Träne rollte ihr von den Wangen herab, während sie ihrer Herrin folgte. Die Majorin ließ sie den Leinenschrank und den Silberschrank öffnen und strich mit der Hand über die feinen Damastgedecke und über die prächtigen silbernen Kannen. Auf der Bettenkammer ließ sie die Hand über die hochaufgetürmten Daunenbetten gleiten. Alles Hausgerät – Webstühle, Spinnrocken, Garnwinden mußte sie berühren. Prüfend steckte sie die Hand

in die Gewürzlade und befühlte die Reihen von Talglichten, die unter der Decke hingen.

»Die Lichte sind trocken«, sagte sie. »Sie können herabgenommen und verwahrt werden.«

In den Keller ging sie, klopfte an die Fässer und ließ die Hand über die Borde mit den Weinflaschen gleiten. Sie war in Speisekammer und Küche, sie befühlte, sie untersuchte alles. Sie streckte ihre Hand aus und nahm von allem in ihrem Hause Abschied.

Schließlich ging sie in die Zimmer. Im Speisesaal ließ sie die Hand über den großen Klapptisch gleiten.

»Gar mancher hat sich hier an diesem Tisch sattgegessen«, sagte sie.

Sie schritt durch alle Zimmer. Sie fand die langen, breiten Sofas an ihrem alten Platz, sie streichelte den kalten Marmor der Konsolen, die, von vergoldeten Greifen getragen, die kostbaren Spiegel stützten.

»Ein reiches Haus«, sagte sie. »Ein herrlicher Mann war der, der mich zur Herrin über dies alles setzte.«

In dem großen Saal, wo der Tanz noch soeben gewirbelt hatte, standen schon die hochlehnigen Armstühle wieder in steifer Ordnung an den Wänden.

Sie trat an das Klavier und schlug leise einen Ton an.