haben sollen, bis ans Ende der Welt in Ruhe zu schlafen, wird jetzt an das Tageslicht gezerrt; steife Knie, lahme Vorderbeine, Spat und Kropf kommen zum Vorschein.

Den Stallknechten gelingt es aber doch, sie alle vorzuspannen. Dann gehen sie zu der Majorin und fragen, welch Fuhrwerk Gösta Berling haben soll, denn wie Gott und jedermann weiß, kam er in der Kohlenkarre der Majorin nach Ekeby gefahren.

»Spannt Don Juan vor unsern besten Schlitten,« sagt die Majorin, »und breitet das Bärenfell und die silbernen Glocken darüber.« Und als der Stallknecht murrt, sagt sie: »Es steht kein Pferd in meinem Stall, das ich nicht hergeben würde, um den Kerl loszuwerden, müßt ihr wissen!«

So, jetzt sind die Gefährte geweckt und die Pferde, aber die Kavaliere schlafen noch. Jetzt ist die Reihe an ihnen, in die Winternacht hinausgeführt zu werden. Aber es ist eine gewagtere Tat, sie in ihren Betten anzugreifen, als steifbeinige Pferde und alte, verfallene Wagen herauszuziehen. Sie sind kühne, starke, gefährliche Männer, abgehärtet durch Hunderte von Abenteuern. Sie sind bereit, sich bis auf den letzten Blutstropfen zu verteidigen; es ist keine leichte Sache, sie gegen ihren Willen aus ihren Betten zu holen, hinab in die Wagen, die sie von dannen führen sollen.

Dann läßt die Majorin eine Strohmiete anzünden, die so nahe am Hofe steht, daß der Schein zu den schlafenden Kavalieren hineinleuchten muß.

»Die Strohmiete gehört mir, ganz Ekeby gehört mir!« sagt sie. Und als die Miete in hellen Flammen steht, ruft sie: »Jetzt weckt sie!«

Aber die Kavaliere schlafen hinter wohlverriegelten Türen. Die Volksschar draußen stößt diesen fürchterlichen, schreckeinflößenden Ruf: »Feuer! Feuer!« aus. Aber die Kavaliere schlafen.

Der schwere Hammer des Schmieds donnert gegen die Tür, aber die Kavaliere schlafen.

Ein hartgepreßter Schneeball zertrümmert die Fensterscheibe, fährt in das Zimmer und prallt gegen den Bettvorhang, aber die Kavaliere schlafen.

Sie träumen, daß ein schönes Mädchen ihnen ihr Taschentuch zuwirft, sie träumen von Beifallssalven hinter dem herabgelassenen Vorhang, sie träumen von munterem Lachen und dem polternden Lärm mitternächtlicher Gelage. Ein Kanonenschuß vor ihrem Ohr, ein Meer von eiskaltem Wasser gehört dazu, um sie zu wecken. Sie haben getanzt, musiziert, gesungen und Komödie gespielt. Sie sind schwer von Wein, todmüde, und sie schlafen einen Traum so tief wie den Schlaf des Todes.