und Fuchs in der Scheune eines Bauern, wo man seinen Besuch erwartete, auf der Lauer lagen. Sie waren gerade über dem Schnapsglas eingeschlafen, als er sich durch das Grassodendach hereinschwang; aber sie erwachten, als er die getötete Kuh aus dem Stand herausheben wollte, und fielen mit Büchse und Messer über ihn her. Die Kuh nahmen sie ihm weg und das eine Auge auch, aber das Leben rettete er doch.
Ja – er und die Kavaliere sind alte Bekannte. Der König des Waldes entsinnt sich gar wohl eines andern Males, als sie über ihn herfielen, gerade als er und seine hohe Gemahlin sich hier in der alten Königsburg auf dem Gurlita-Felsen mit ihren Jungen zur Winterruhe niedergelassen hatten. Er entsinnt sich noch, wie unerwartet sie über ihn herfielen. Wohl entwischte er ihnen, er fegte alles zur Seite, was ihn hinderte, und sauste dahin, ohne auf die Kugeln zu achten; aber lahm ward er fürs Leben durch einen Schuß, den er in den Schenkel bekam. Und als er des Nachts in seine Königsburg zurückkehrte, war der Schnee rot gefärbt von dem Blut seiner hohen Gemahlin, und die königlichen Kinder waren weggeführt nach der Wohnung der Menschen, um dort aufzuwachsen und Diener und Freunde der Menschen zu werden.
Ja, jetzt erbebt die Erde, jetzt wird die Schneewehe zerteilt, die die Höhle verdeckt, jetzt bricht er heraus, der große Bär, der alte Feind der Kavaliere. Gib jetzt acht, Fuchs, alter Bärenjäger, gib jetzt acht, Beerencreutz, Oberst und Rabougespieler, gib jetzt acht, Gösta Berling, du Held von hundert Abenteuern!
Wehe über alle Poeten, alle Träumer, alle Liebeshelden!
Da steht jetzt Gösta Berling, den Finger am Hahn der Büchse, und der Bär kommt ihm gerade entgegen. Warum schießt er nicht? Woran denkt er? Warum schickt er ihm nicht gleich eine Kugel in die breite Brust? Er steht gerade auf dem rechten Fleck, um das zu tun. Die andern können nicht im rechten Augenblick zum Schuß kommen. Glaubt er vielleicht, daß er vor der Majestät des Waldes Parade stehen soll?
Gösta hat natürlich dagestanden und von der schönen Marianne geträumt, die in diesen Tagen ernstlich krank auf Ekeby liegt, krank von der Nacht, in der sie im Schnee geschlafen hat. Er denkt an sie, die nun auch ein Opfer von dem Fluch des Hasses geworden ist, der auf der Erde ruht, und er schaudert vor sich selbst, daß er ausgegangen ist, um zu verfolgen und zu töten.
Und da kommt der große Bär gerade auf ihn zu. Blind auf dem einen Auge infolge eines Stiches von dem Messer eines der Kavaliere, lahm auf dem einen Bein infolge einer Kugel aus der Büchse eines der Kavaliere. Grausig und struppig, einsam seit der Zeit, als sie seine Gattin töteten und seine Kinder entführten. Und Gösta sieht ihn so, wie er ist: ein armes, verhetztes Tier, das er nicht des Lebens berauben will, des letzten, was ihm noch geblieben, nachdem ihm die Menschen alles andere genommen haben.
»Mag er mich töten,« denkt Gösta, »aber ich schieße ihn nicht tot.«
Und während der Bär auf ihn losstürzt, steht er still wie zur Parade, und als der König des Waldes ihm gerade gegenübersteht, tut er einen Schritt zur Seite und schultert das Gewehr.
Da setzt der Bär seinen Weg fort, wohl wissend, daß er keine Zeit zu verlieren hat, bricht in den Wald ein, bahnt sich einen Weg durch mannshohe Schneeschanzen, rollt an jähen Abhängen herab und ist dann hoffnungslos verschwunden, während alle die, die mit gespannten Hähnen dagestanden und auf Göstas Schuß gewartet haben, ihre Büchsen hinter ihm drein abschießen.