Ein Frühlingsabend
An einem schönen Frühlingsabend war die Pfarrerstochter mit der Kleinen im Freien. Sie war es von jeher gewohnt gewesen, sich am Abend eine Weile draußen zu ergehen, und die Stiefmutter hatte sich dem nicht widersetzt, sondern ihr nur befohlen, die Kleine mitzunehmen, weil es sich für ein siebzehnjähriges Mädchen nicht schicke, allein auf der Landstraße zu sein.
Wie immer ging sie auch jetzt in südlicher Richtung, denn da war der beste Weg. Sie wanderte langsam dahin, und die Kleine konnte sich diesem langsamen Tempo nur schwer anpassen. Bald lief sie voraus, bald blieb sie eine große Strecke zurück, nur um sich wieder außer Atem laufen zu können, bis sie die Pfarrerstochter einholte.
Der Weg führte den Waldhügel entlang, der die Grenze von Lövdala bildete, und während nun die Pfarrerstochter so dahinwanderte, kam es ihr ganz sonderbar vor, daß die Kleine auf der kurzen Wegstrecke, die sie Abend um Abend hin und her wanderten, so viel Vergnügliches finden konnte.
Da war zuerst das Echo. Die Kleine lief eiligst durch die Allee voraus, um es hervorzulocken. Sie wußte, wo es sich fand. Ein kleines Stück auf dem Weg draußen,
gerade vor der Lövdaler Roggenscheune. Da blieb sie stehen, drehte sich der Scheunenwand zu und begann zu rufen.
»Echo, Echo, sag’ mir wahr!« »Sag’ mir wahr!« das Echo klang. »Heirat ich in diesem Jahr?« »Diesem Jahr!« das Echo klang. »Ist mein Schatz ein schöner Mann?« »Schöner Mann!« das Echo klang. »Kommt mit vielen Gold er an?« »Gold er an!« das Echo klang. »Sprichst du Wahrheit? Lüg’ nicht an!« »Lüg’ nicht an!« das Echo klang.
Die Pfarrerstochter selbst hatte vor ein paar Monaten die Kleine diese Reime gelehrt; aber damals war eben alles ganz anders gewesen als heute. Jetzt hatte sie keine Kraft, mit dem Echo zu scherzen.
Die Kleine blieb ihr nun an der Seite, bis sie eine Kiesgrube erreichten, die links vom Wege dicht unter dem Bergabhang lag. Aber hier verließ die Kleine die Pfarrerstochter und sprang in die Grube hinunter, wo sie dann zwischen den heruntergefallenen Steinen eifrig nach Katzengold suchte. Erst als sie die Pfarrerstochter an der Wegbiegung aus den Augen verlor, jagte sie wieder hinter ihr her.
Dann gingen sie miteinander bis an den Bach. Der Kleinen war es ganz und gar unbegreiflich, daß Mamsell Maja Lisa an dem Bach vorübergehen konnte, ohne stehenzubleiben,