Der Pfarrer blieb nachdenklich stehen. Dann sagte er: »Du kannst ruhig die Wahrheit sagen, denn schlimmer
als es ist, kann es nicht mehr werden. Nicht meine Frau, sondern Maja Lisa ist es wohl gewesen, die dich hier in den Schrank gesperrt hat?«
Die Kleine war so außer sich, daß sie kaum die Worte herausbringen konnte.
»Die Pfarrerstochter!« rief sie. »Sie sollte mich in einen Schrank einsperren, um da zu horchen? Da ist sie sich wirklich zu gut dazu.«
Der Pfarrer seufzte. »Es gibt wohl nicht viel, für das sie sich zu gut ist«, sagte er. »Glaube ja nicht, ich werde noch ärgerlicher über dich werden, wenn du gestehst, daß dich Maja Lisa hier hineingestellt hat. Du sollst weder wegen des einen noch wegen des andern gescholten werden, wenn du nur die Wahrheit sagst.«
Die Kleine wußte ganz bestimmt, daß sie, seitdem sie nach Lövdala gekommen war, auch nicht ein unwahres Wort gesprochen hatte, und das sagte sie dem Herrn Pfarrer auch.
Aber das war dem Pfarrer jetzt höchst gleichgültig. »Ich begreife ja, daß Maja Lisa allen Grund hatte, Angst zu haben«, sagte er. »Und deshalb begreife ich auch, daß sie dich gebeten hat, hier hereinzugehen, um zu erlauschen, was wir hier sprachen. Die Frau Pfarrer aber hat ja mit der Sache gar nichts zu tun.«
Die Kleine stand still da und erwiderte kein Wort. Sie wußte nicht, was sie sagen durfte. Von der Pfarrerstochter war ihr streng verboten, dem Pfarrer irgendeine Klatscherei über die Pfarrfrau zu hinterbringen, und ihre eigene Mutter hatte dasselbe gesagt. Es war hier
nicht wie in Svansskog; dort hatte sie alles, was es auch sein mochte, erzählen dürfen.
Als sie schwieg, schien der Pfarrer bestimmt anzunehmen, daß alles sei, wie er glaubte, und er gebot ihr, sich zu entfernen.