Liebster Himmel, wie verdrießlich war es doch! Fürs erste war Svartsjö nur ein Annex des großen Broer Pastorats. Schon von alten Zeiten her war der Propst in Bro der erste Geistliche von Svartsjö, und die halbe Besoldung fiel von vornherein an ihn. Daran konnte natürlich nichts geändert werden. Sonst hätte man es ja nur recht und billig finden können, daß ihr Mann, der die ganze Arbeit versah, auch das ganze Gehalt bekomme. Aber er war nur ein Hilfsgeistlicher und mußte sich mit der Besoldung begnügen, die die Hilfsgeistlichen im allgemeinen bekamen.
Überdies war es auch eine kleine und arme Gemeinde, und wenn der Pfarrer nur von dem hätte leben sollen, was er von der Gemeinde erhielt, wäre er längst ein richtiger Herr von Habenichts geworden.
Nein, wenn der Pfarrer von Svartsjö es ein wenig besser hatte als andere Hilfsgeistliche, kam dies daher, daß er außer seiner Amtswohnung noch einen eigenen Hof besaß, von dem er seinen Unterhalt bezog. Wenn er den nicht gehabt hätte, wäre es längst schief bei ihm gegangen.
Sie, die Pfarrfrau, mußte natürlich sehr froh über den Besitz von Lövdala sein. Und sie war auch die letzte, die sich darüber beklagte. Es war ein prächtiger Hof mit einem schönen Haus und gutem Ackerboden. Das einzige, was sie daran auszusetzen hatte, war eben der weite Weg zur Kirche.
Aber einen anderen Fehler hatte Lövdala außerdem auch noch. Wer immer da wohnte, hielt sich stets für besser als andere Leute. Sie konnte allerdings nur darüber lachen, sie, die wirklich vornehme Häuser gesehen hatte! Aber hier im Kirchspiel hielt man es tatsächlich für vornehm, wenn man auf Lövdala wohnte. Ja, sogar die Gräflichen auf Borg standen nicht in so hohem Ansehen wie die Pfarrleute.
Was sie, die Pfarrfrau selbst, betraf, so hatte sie nie begreifen können, woher das kam. Noch vor hundert Jahren war ganz Lövdala nichts anderes als ein Bauernhof gewesen, allerdings vielleicht ein recht großer und
reicher, denn die prächtigen Felder auf dem alten Seegrund gehörten ja dazu; aber es war eben doch nur ein echter und gerechter Bauernhof gewesen, und sie konnte ihn auch heutigestags kaum für etwas anderes erklären. Aber hier oben in Värmland fand sich natürlich niemand, der gewußt hätte, wie ein richtiger Herrenhof aussah.
Besonders merkwürdig war es auch nicht, daß ein Bauernsohn aus diesem reichen Hofe studiert hatte, daß er dann ein ärmliches Pfarrerexamen machte und Hilfsgeistlicher in Svartsjö wurde. Und wenn er schließlich die Tochter eines Propstes geheiratet hatte, so war das wirklich noch nichts so Unerhörtes, mit dem man sich so schrecklich zu haben brauchte. Weiter als bis zum Hilfsgeistlichen in Svartsjö hatte er es trotzdem nicht gebracht, sondern er war seiner Lebtage dageblieben. Es hieß zwar, er sei ein tüchtiger Mann gewesen, aber das konnte man nur schwer begreifen.
Er hatte es allerdings gut gehabt, weil er Lövdala von seinen Eltern geerbt hatte und da wohnen konnte. Da hatte er nicht den Bauern schöntun müssen, um seine Abgaben oder die opferwilligen Beiträge zu bekommen; er saß auf seinem eigenen Hof, tat, was er wollte, und war so gut wie einer von ihnen – und gerade das hatte ihnen wohlgefallen, den Bauern und ihm!
Zur Zeit des ersten Lövdaler Pfarrers hatte die Gemeinde wahrscheinlich noch kein eigenes Pfarrhaus für den Hilfsgeistlichen besessen; jetzt aber war eines da, ein kleiner Hof, der dicht neben Lövdala lag.