Aber natürlich kam er. Gerade als der Drache sich in Todesängsten wand und Axel in stolzer Siegesgewißheit dasaß, hörte er das Kindermädchen rufen: „Axel, nicht da sitzen! Denke an Onkel Ruben, der starb, als er acht Jahre alt war, gerade wie du jetzt, weil er auf einem Steingeländer geritten ist. Hier darfst du nie mehr sitzen, Axel!“
Solch ein neidischer alter Dummerian, dieser Onkel Ruben! Er konnte es gewiß nicht ertragen, daß Axel Drachen tötete und Prinzessinnen rettete. Wenn er sich nicht hütete, wollte Axel zeigen, daß auch er Ruhm gewinnen konnte. Wenn er jetzt auf den Steinboden dort unten sprang und sich totschlug, dann würde er schon in den Schatten gestellt sein, dies große Lügenmaul!
Armer Onkel Ruben! Armer kleiner guter Junge, der draußen auf dem sonnenbeschienenen Marktplatz mit seinem Kreisel gespielt hatte! Nun mußte er erfahren, was es heißt, ein großer Mann zu sein. Eine Vogelscheuche war er geworden, die die Zeit, die war, der kommenden aufstellte.
Es war draußen auf dem Lande bei Onkel Ivan. Eine ganze Menge Basen und Vettern waren auf dem herrlichen Landgut versammelt. Axel ging da herum, von seinem Haß gegen Onkel Ruben erfüllt. Er wollte nur wissen, ob dieser auch noch andre außer ihm quälte. Aber etwas schüchterte ihn ein, so daß er sich nicht zu fragen getraute. Es war, als hätte er damit eine Lästerung begangen.
Endlich waren die Kinder allein. Kein Großer war dabei. Da fragte Axel, ob sie von Onkel Ruben gehört hätten.
Er sah, wie es in den Augen aufblitzte, und wie viele kleine Fäustchen sich ballten, aber es schien, daß die kleinen Mündchen Ehrfurcht vor Onkel Ruben gelernt hatten. „Still doch,“ sagte die ganze Schar.
„Nein,“ sagte Axel, „jetzt möchte ich wissen, ob er noch irgend jemand anders peinigt, denn ich finde, daß er der lästigste von allen Onkeln ist.“
Dieses einzige mutige Wort brach den Damm, der den Harm gequälter Kinderherzen umgab. Es gab ein großes Murren und Rufen. So muß ein Haufen Nihilisten aussehen, wenn sie den Selbstherrscher schmähen.
Jetzt wurde das Sündenregister des armen großen Mannes aufgezählt. Onkel Ruben verfolgte alle seine Geschwisterkinder. Onkel Ruben starb überall, wo es ihm gerade beliebte. Onkel Ruben war immer im gleichen Alter mit dem, dessen Ruhe er stören wollte.
Und Respekt mußte man vor ihm haben, obwohl er ganz offenkundig ein Lügner war. Ihn in der verschwiegensten Tiefe seines Herzens hassen, das konnte man, aber ihn nicht beachten, oder ihm Unehrerbietigkeit zeigen, Gott behüte.