Und die Kinder, die Kinder von heute, betragen sich anders gegen ihn als die Eltern. Sie kritisieren ihn offen und unverhüllt. Ihre Eltern verstehen die Kunst nicht mehr, stummen, ehrfürchtigen Gehorsam einzuflößen. Kleine Pensionsmädchen handeln das Thema Onkel Ruben ab und bezweifeln, ob er etwas andres als eine Mythe ist. Ein sechsjähriger Jüngling schlägt vor, daß man auf experimentalem Wege beweisen solle, daß es unmöglich ist, sich auf einer Steinstufe tödlich zu erkälten.
Aber das ist nur Eintagsmut. Diese Generation ist im Allerinnersten ebenso von Onkel Rubens Größe überzeugt, wie die vorhergehende, und gehorcht ihm ebenso wie diese.
Und der Tag wird kommen, wo diese Spötter zu dem uralten Hause ziehen, die alte Steinstufe aufsuchen und sie auf einen Sockel mit goldner Inschrift erheben werden.
Sie scherzen jetzt ein paar Jahre lang mit Onkel Ruben, aber sobald sie herangewachsen sind und eigne Kinder zu erziehen haben, werden sie von dem Nutzen und der Notwendigkeit des großen Mannes überzeugt sein.
„Ach, mein Kindchen, sitze nicht auf dieser Steinstufe, deiner Mutter Mutter hatte einen Onkel, der Ruben hieß. Er starb, als er in deinem Alter war, weil er sich auf eine solche Steinstufe gesetzt, um sich auszuruhen.“
So wird es heißen, so lange die Welt steht.
[Das Flaumvögelchen]
I
Ich glaube, ich sehe sie vor mir, wie sie von dannen fuhren. Ganz deutlich sehe ich seinen steifen Zylinder mit der großen geschwungnen Krempe, so wie man sie in den vierziger Jahren trug, seine lichte Weste und seine Halsbinde. Ich sehe auch sein schönes, glattrasiertes Gesicht mit kleinen, kleinen Polissons, seinen hohen steifen Kragen und die anmutige Würde in jeder seiner Bewegungen. Er sitzt rechts in der Chaise und faßt gerade die Zügel zusammen, und neben ihm sitzt das kleine Frauenzimmerchen. Gott segne sie! Sie sehe ich noch deutlicher. Wie auf einem Bilde habe ich das schmale kleine Gesichtchen vor mir und den Hut, der es umschließt und unter dem Kinn geknüpft ist, das dunkelbraune glattgekämmte Haar und den großen Schal mit den gestickten Seidenblumen. Aber die Chaise, in der sie fahren, hat natürlich einen Stuhl mit grünen gedrechselten Stäbchen, und natürlich ist es das Pferd des Gastwirts, das sie die erste Meile ziehen soll, eins von den kleinen, fetten Braunen.