„Aber still doch, Anne-Marie, still doch! Was verstehst du von Geschäften?“ – Sein ganzes Wesen ist noch aufreizend ruhig und überlegen. Er sieht sie an, wie ein Schulmeister einen guten Schüler, der sich gerade am Prüfungstage dumm anstellt.

„Daß du gar nicht verstehst, um was es sich handelt,“ ruft sie aus. Und sie ringt verzweifelt die Hände.

„Ich muß wirklich jetzt mit Onkel sprechen,“ sagt Moritz, „wennschon aus keinem andern Grunde, so um ihm zu zeigen, daß es sich hier um keinen Betrug handelt. So wie du dich benimmst, könnte Onkel wirklich glauben, daß wir, mein Vater und ich, ein paar Schurken sind.“

Und er kommt auf Onkel Theodor zu und erklärt ihm, welche Bewandtnis es mit diesen Aktien hat, die sein Vater ihm verkaufen will. Onkel Theodor hört so gut zu, als er kann. Er versteht sogleich, daß sein Bruder, der Bürgermeister, eine schlechte Spekulation gemacht hat und sich vor Verlusten schützen will. Aber was weiter, was weiter? Solche Gefälligkeiten pflegt er ja der ganzen Familie zu erweisen. Aber eigentlich denkt er nicht daran, sondern an das Flaumvögelchen. Er wüßte zu gern, was in dem empörten Blick liegt, den sie Moritz zuwirft. Liebe war es gerade nicht.

Und nun mitten in seiner Verzweiflung über das Opfer, das er bringen mußte, beginnt ein schwacher Hoffnungsstrahl vor ihm aufzudämmern. Er steht da und starrt ihn an wie ein Mann, der in einem Zimmer, wo ein Geist umgeht, liegt und sieht, wie ein heller Nebel aus dem Boden emporsteigt, sich verdichtet und wächst und zu greifbarer Wirklichkeit wird.

„Komm mit mir in mein Zimmer, Moritz,“ sagt er, „dann kannst du das Geld gleich haben.“

Aber während er spricht, ruht sein Blick auf dem Flaumvögelchen, um zu sehen, ob „das Geistchen“ zum Sprechen bewogen werden kann. Aber noch sieht er nur stumme Verzweiflung bei ihr.

Doch kaum sitzt er am Pult in seinem Zimmer, als die Türe sich öffnet und Anne-Marie hereinkommt.

„Onkel Theodor,“ sagt sie sehr fest und entschlossen, „kaufen Sie doch diese Papiere nicht.“

Ach, welcher Mut, Flaumvögelchen! Wer, der dich vor drei Tagen an Moritzens Seite im Wagen sah, wo du bei jedem Wort, das er sagte, zusammenzuschrumpfen und immer kleiner zu werden schienst, hätte dir so etwas zugetraut?