Sie hat dagesessen und geweint, aber als der Mann dieses sagt, werden ihre Augen auf einmal trocken. Die ganze kleine Gestalt zieht sich vor Schrecken zusammen, sie beginnt zu zittern, als fühle sie starke Kälte.

„Was sagst du, was sagst du?“ fragt sie. Und sie spricht wie einer, der vor Kälte klappert.

„Es widerstrebt mir,“ sagt der Hüttenherr. „Vater und Mutter liegen da, und auf dem Steine steht Sander. Ich will nicht, daß dieses Kind dort liege.“

„Ah so, das hast du dir ausgeheckt?“ sagt sie und schauert dabei fortwährend zusammen. „Ich wußte wohl, daß du dich einmal rächen würdest.“

Er wirft die Serviette fort, erhebt sich vom Tische und steht breit und groß vor ihr. Es ist gar nicht seine Absicht, seinen Willen mit vielen Worten zu ertrotzen. Aber sie kann es ihm ja ansehen, wie er so da steht, daß er seinen Sinn nicht ändern kann. Der ganze Mann ist schwere, unerschütterliche Halsstarrigkeit.

„Ich will mich nicht rächen,“ sagt er, ohne die Stimme zu erheben. „Ich kann es nur nicht ertragen.“

„Du sprichst, als handelte es sich nur darum, ihn aus einem Bett in das andre zu legen,“ sagt sie. „Und er ist ja tot, ihm kann es wohl gleich sein, wo er liegt. Aber ich bin dann eine Verlorne.“

„Ich habe auch daran gedacht,“ sagt er, „aber ich kann nicht.“

Zwei Leute, die mehrere Jahre miteinander verheiratet sind, brauchen nicht viel Worte, um sich zu verstehen. Sie weiß schon, daß es ganz zwecklos wäre, wollte sie versuchen, ihn umzustimmen.

„Warum mußtest du mir damals verzeihen?“ sagt sie und ringt die Hände. „Warum ließest du mich auf Lerum bleiben als dein Weib und versprachst mir, du wollest mir vergeben?“