„Ist es aus, Nino?“ fragte sie.
Nino antwortete ja, so angstvoll, als verkünde er ihr ein Todesurteil.
„Laß mich hören,“ sagte sie und richtete sich auf. Nino las ihr vor, daß Leutnant Ugo sie nicht mehr liebte. „All meine Liebe ist tot,“ schrieb er, „meine arme Liebe ist tot.“
Sie zuckte verächtlich die Achseln.
„Die Liebe eines Signor verträgt es wohl nicht, Blut zu sehen,“ sagte sie.
„Du, Teresa,“ schrieb Leutnant Ugo, „du warst für mich des Vaterlandes Stolz, du warst das wiedergeborene Rom, du warst das starke Weib der Vorzeit. Du warst die, die die Römer einst zu Helden machen sollte, du solltest Seelenstärke genug haben, uns hinauszuschicken, um die Welt zu erobern. Vergib mir, daß ich mich täuschte. Nun weiß ich, daß die alten Römerinnen tot sind, die Töchter des neuen Rom senden keinen Mann hinaus, um Ehre zu erringen, sie haben nur den Mut, ihn zu hindern, seine Pflicht zu tun.“
Teresa legte ihre Hand auf die Ninos. „Ich will nicht mehr hören,“ sagte sie.
Nino schwieg.
„Wenn ich es nicht getan hätte, Nino,“ sagte sie, „wäre er jetzt tot. Ich verstehe nicht, was er meint. Ich sah ihn tot in einer Bergschlucht liegen. Da läge er jetzt, wenn ich nicht gewesen wäre. Wie hätte ich ihn da ziehen lassen können?“
„Findest du auch, Nino, daß ich feige bin?“ fragte sie. „Bin ich entartet? Habe ich keinen Tropfen Römerblut in meinen Adern?“