In einem Anfall von Lebenslust kam es ihr in den Sinn, daß dies etwas für sie sein könnte, die immer Druck und Zwang brauchte, um das Leben lebenswert zu finden.
„Wenn ich gesund wäre,“ sagte sie, „wäre ich vielleicht mit dahin gegangen. Es wäre schön gewesen, sich zusammen mit jemandem, dem man gut ist, in die Höhe zu arbeiten.“
Peter Nord zuckte zusammen. Hier war ja das Geständnis, auf das er die ganze Zeit gewartet hatte. „Ach, können Sie nicht leben!“ bat er, und er strahlte vor Glück.
Sie wurde aufmerksam. „Das ist ja Liebe,“ sagte sie zu sich selbst. „Und jetzt glaubt er, daß ich auch verliebt bin. Solch ein närrischer Kauz, dieser Wermlandjunge!“
Sie wollte ihn sogleich wieder zur Vernunft bringen, aber etwas lag über Peter Nord an diesem siegreichen Tage, das sie zurückhielt. Sie brachte es nicht übers Herz, seine frohe Stimmung zu zerstören. Sie fühlte Mitleid mit seiner Torheit und ließ ihn weiter darin leben. „Es macht ja nichts, da ich ja doch bald sterben muß,“ sagte sie zu sich selbst.
Aber gleich darauf verabschiedete sie ihn, und als er fragte, ob er wiederkommen dürfe, verbot sie es ihm ganz. „Aber,“ sagte sie, „vergessen Sie den Kirchhof hier oben auf dem Hügel nicht, Peter Nord. Dorthin können Sie in ein paar Wochen gehen und dem Tode für diesen Tag danken.“
Als Peter Nord aus dem Garten kam, begegnete er Halfvorson. Dieser ging verzweifelt auf und ab und fand seinen einzigen Trost in dem Gedanken, daß Edith dem Schuldigen jetzt die Last der Reue aufbürdete. Um ihn überwältigt von Gewissensbissen zu sehen, einzig und allein darum hatte er ihn geholt. Doch als er den jungen Arbeiter traf, sah er, daß Edith ihm nicht alles gesagt haben konnte. Wohl sah er ernst aus, aber zugleich schien er schwindelnd glückselig.
„Hat Edith Ihnen jetzt gesagt, warum sie sterben muß?“ fragte Halfvorson.
„Nein,“ antwortete Peter Nord.
Halfvorson legte ihm die Hand auf die Schulter, wie um ihn nicht entkommen zu lassen.