„Deine Mutter ist eine Hexe?“
„Das ist sie,“ antwortete Tord ohne jede Befangenheit. „Bei stürmischem Wetter reitet sie auf einem Seehund zu den Schiffen, über die die Sturzwellen hinspülen, und wer dann in das Meer geschleudert wird, der gehört ihr.“
„Was fängt sie mit ihnen an?“ fragte Berg.
„Ach, eine Hexe braucht immer Leichen. Sie kocht wohl Salben aus ihnen, oder vielleicht ißt sie sie. In Mondscheinnächten sitzt sie draußen in der Brandung, wo sie am weißesten ist, und der Schaum sprüht über sie hin. Es heißt, daß sie da sitzt und nach den Fingern und Augen ertrunkner Kinder sieht.“
„Das ist abscheulich,“ sagte Berg.
Der Knabe antwortete mit großer Zuversicht: „Es wäre abscheulich für andre, aber nicht für Hexen. Die müssen es so machen.“
Berg schien es, daß dies eine neue Art war, Welt und Dinge zu betrachten.
„Müssen Diebe auch stehlen, ebenso wie Hexen zaubern müssen?“ fragte er scharf.
„Ja, gewiß,“ antwortete der Knabe, „jeder muß tun, wozu er bestimmt ist.“ Aber dann fügte er mit einem versteckten Lächeln hinzu: „Es gibt aber auch Diebe, die niemals gestohlen haben.“
„Sag doch gerade heraus, was du meinst,“ sagte Berg.