Da erblickte sie mit einem Male am äußersten Ende des Fischerdorfes eine elende Hütte, und es war ihr, als hätte sie sie schon längst mit den Augen der Seele gesehen, ehe sie sie in Wirklichkeit bemerkte.

„Ist es hier?“ sagte sie und blieb gerade am Fuße des kleinen Sandhügels stehen.

Er nickte fast unmerklich mit dem Kopf und fuhr fort, auf die kleine Hütte zuzugehen.

„Warte,“ rief sie ihm nach. „Wir müssen zuerst miteinander sprechen, bevor ich dein Heim betrete. Du hast mich belogen,“ fuhr sie drohend fort, als er sich ihr zuwendete. „Du hast mich ärger betrogen, als wenn du mein größter Feind wärest. Warum hast du das getan?“

„Ich wollte dich zur Frau,“ antwortete er mit leiser, unsichrer Stimme.

„Wenn du mich doch nur mit Maß zum besten gehalten hättest! Warum mußtest du alles so reich und so prächtig schildern? Was wolltest du mit Bedienten und Triumphpforten und all der andern Herrlichkeit? Glaubtest du, ich sei so erpicht auf Geld? Sahst du nicht, daß ich ohnehin verliebt genug in dich war, um überallhin mit dir zu gehen? Daß du glaubtest, mich hinters Licht führen zu müssen! Daß du das Herz haben konntest, bis zuletzt bei deinen Lügen zu beharren!“

„Willst du nicht hereinkommen und Mutter begrüßen,“ fragte er ganz hilflos.

„Nein, ich gehe nicht hinein.“

„Willst du also nach Hause fahren?“

„Wie könnte ich nach Hause kommen? Wie sollte ich ihnen den Schmerz bereiten, zurückzukehren, wenn sie mich für glücklich und reich halten? Aber bei dir bleibe ich auch nicht. Für den, der arbeiten kann, findet sich immer ein Auskommen.“