Sie fielen in stummem Gebet auf die Knie. Einige im Saal nahmen an dem Gebet teil. Allen teilte sich eine spannende Erwartung mit. War es wahr? Trug sich etwas Großes in der Seele eines Mitmenschen zu, hier, mitten unter ihnen? Würden sie es sehen? Konnten diese Frauen etwas bewirken?
Für einen Augenblick war die Menge gewonnen. Jetzt war sie ebenso erpicht auf Wunder wie eben erst auf Lästerung. Niemand wagte sich zu rühren. Alle keuchten vor Erwartung, aber nichts geschah. „O Gott, du verlässest uns! Du verläßt uns, o Gott!“
Die schöne Heilsarmeesoldatin begann zu singen. Sie wählte die mildeste der Melodien, das zarteste Kind der Sehnsucht: „Fern er weilet von grünenden Tälern.“
Die Worte waren nur wenig verändert. Das Lied des finnischen Hirtenmädchens war unschwer zu Jesu Sehnsucht nach der Seele geworden. „O, du meine Geliebte, kommst du nicht bald?“
So mild lockend wie ein bittendes Kind glitt der Gesang in die Gemüter, wie eine Liebkosung, wie ein Segen.
Die Versammlung war stumm, wie versunken in diese Töne. – „Berge und Wälder verschmachten, Himmel und Erde leben in Sehnsucht. Mensch, alles in der Welt dürstet danach, daß du deine Seele dem Lichte erschließest. Dann verbreitet sich Herrlichkeit über alle Welt, dann stehen die Tiere auf aus ihrer Erniedrigung. Alles Seufzen der Kreatur hat ein Ende. O, du meine Geliebte, kommst du nicht bald?“
„Es ist nicht wahr, daß du in hohen Königssälen weilest. In dunklen Wäldern, in elenden Hütten hausest du, und du willst nicht kommen. Mein lichter Himmel lockt dich nicht. O, du meine Geliebte kommst du nicht bald?“
Unten im Saale stimmten immer mehrere in den Kehrreim ein. Stimme um Stimme kam mit. Sie wußten nicht recht, welcher Worte sie sich bedienten. Die Melodie war genug. Alle Sehnsucht konnte sich in diesen Tönen freisingen. Auch unten an der Tür wurde es gesungen. Es sprengte Herzen. Es unterjochte Willen. Es klang nicht mehr wie eine jammervolle Klage, sondern stark, fordernd, befehlend.
„O, du meine Geliebte, kommst du nicht bald?“
Unten an der Tür im dichtesten Knäuel stand Matts Wik. Er sah ganz vertrunken aus, aber an diesem Abend war er nicht berauscht. Er stand da und dachte: „Wenn ich sprechen dürfte, wenn ich sprechen dürfte.“