Nein, jetzt wollte er nicht mehr trauern! Wenn die Stadt, die er gesehen hatte, nicht ins Meer versunken wäre, hätte sie vielleicht nach einiger Zeit ebenso arm und verfallen ausgesehen wie diese hier. Vielleicht hätte sie der Zeit und der Vergänglichkeit auch nicht widerstehen können, sondern wäre bald gewesen wie diese hier mit ihren Kirchen ohne Dächer, mit Häusern ohne Zierat und mit ihren einsamen leeren Gassen. Da war es doch besser, sie stand im Verborgnen dort unten in all ihrer Herrlichkeit.

„Es wird ja wohl so am besten sein, wie es gekommen ist,“ dachte er. „Ich glaube, selbst wenn ich die Macht hätte, die Stadt zu retten, würde ich es jetzt wohl nicht mehr tun.“

Von da an trauerte er nicht mehr über diese Sache. Und es gibt sicher viele, die so denken, weil sie noch jung sind. Aber wenn die Menschen alt werden und sich daran gewöhnt haben, sich mit wenigem zu begnügen, dann freuen sie sich mehr über das Visby, das da ist, als über das schöne Vineta auf dem Meeresgrund.


[15
Die Sage von Småland]

Dienstag, 12. April

Die Wildgänse waren gut übers Meer gekommen und hatten sich im nördlichen Småland im Tjuster Bezirk niedergelassen. Hier erstreckten sich überall Meeresarme weit ins Land hinein und teilten es in Inseln, in Halbinseln, in Landengen und Landzungen. Das Meer war so aufdringlich, daß schließlich nur noch die Hügel und Bergrücken vom Wasser unbedeckt blieben.

Als die Wildgänse vom Meer hereinflogen, war es Abend geworden, und das hügelige Land lag schön zwischen den glänzenden Fjorden vor ihnen. Da und dort sah der Junge Hütten und Häuser auf den Inseln; und je weiter man ins Land hineinkam, desto größer und besser wurden die Wohnstätten, schließlich wuchsen sie zu großen weißen Herrenhöfen heran. Am Ufer hin stand gewöhnlich eine Reihe Bäume, diesseits davon lagen Ackerfelder, und oben auf den kleinen Hügeln wuchsen aufs neue Bäume. Der Junge mußte unwillkürlich an Blekinge denken. Hier war wieder eine Gegend, wo Land und Meer auf so schöne und stille Weise zusammentrafen, sich gleichsam das Schönste und Beste, was sie hatten, zu zeigen.

Die Wildgänse ließen sich auf einem kahlen Holm weit drinnen im Gåsfjord nieder. Beim ersten Blick auf den Strand merkten sie, daß der Frühling große Fortschritte gemacht hatte, während sie sich auf den Inseln aufgehalten hatten. Die großen, prächtigen Bäume waren zwar noch nicht belaubt, aber die Wiesen darunter schimmerten in weiß, grün, gelb und blau. Die Gänse hielten verwundert an und überlegten, woher das wohl komme. Aber dann ging ihnen auf einmal ein Licht auf; die Wiesen waren mit weißen Anemonen, Krokus und Leberblümchen bedeckt.