Die Kuh hatte sich indessen nicht beruhigt, und jetzt begann sie plötzlich mit dem Jungen zu sprechen. „Hat nicht einer von euch vorhin gesagt, er sei ein Wichtelmännchen? Wenn er wirklich eines ist, versteht er wohl auch, eine Kuh zu versorgen?“

„Was fehlt dir denn?“ fragte der Junge.

„Alles mögliche fehlt mir,“ antwortete die Kuh. „Ich bin weder gemolken noch versorgt worden, habe kein Futter für die Nacht und keine Streu unter mir. Die Hausmutter kam in der Dämmerung zu mir in den Stall, um mich wie gewöhnlich zu versorgen, aber sie fühlte sich so krank, daß sie sogleich wieder hineingehen mußte, und seither ist sie nicht wiedergekommen.“

„Da ist es recht schade, daß ich so klein und schwach bin,“ sagte der Junge, „denn ich werde dir leider nicht helfen können.“

„Du wirst mir doch nicht weismachen wollen, du seiest schwach, weil du so klein bist?“ sagte die Kuh. „Alle die Wichtelmännchen, von denen ich je gehört habe, waren so stark, daß sie ein ganzes Fuder Heu tragen und eine Kuh mit einem einzigen Faustschlag töten konnten.“

Unwillkürlich mußte der Junge lachen. „Das waren Wichtelmännchen von einer andern Sorte als ich!“ rief er. „Aber ich will deine Halskette lösen und die Stalltür aufmachen, dann kannst du hinausgehen und deinen Durst an einer der Wasserpfützen löschen. Und dann will ich sehen, ob ich auf den Heuboden hinaufklettern und Heu in deine Krippe hinunterwerfen kann.“

„Ja, das wäre doch immerhin etwas,“ sagte die Kuh.

Der Junge tat, wie er gesagt hatte; und als die Kuh eine volle Krippe vor sich hatte, hoffte er endlich selbst schlafen zu dürfen. Aber kaum hatte er es sich auf seinem Lager bequem gemacht, als die Kuh wieder mit ihm zu sprechen begann.

„Du wirst gewiß ärgerlich über mich, wenn ich dich um etwas bitte,“ sagte sie.