Cäsars Benehmen während dieser Anrede war im höchsten Grade sonderbar. Er war vorher hellwach gewesen; aber als Jarro sich an ihn wendete, gähnte er, legte seine lange Nase auf seine Vorderpfoten, und im nächsten Augenblick lag er im tiefsten Schlafe.

Mit einem durchtriebenen Lächeln sah die Katze auf Cäsar hinunter. „Ich glaube, Cäsar hat keine Lust, dir zu antworten,“ sagte sie zu Jarro. „Er ist gerade wie alle andern Hunde; sie wollen nie zugeben, daß die Menschen unrecht tun können. Aber du kannst dich auf mein Wort unbedingt verlassen. Und ich will dir auch sagen, warum die Menschen den See austrocknen wollen. Wenn ihr Wildenten die Herrschaft über den See noch hättet, würden sie ihn nicht ablassen, denn von euch haben sie doch noch einen gewissen Nutzen.

Aber jetzt haben ja die Taucher und die Bläßhühner und andre Vögel, die den Menschen nicht zur Nahrung dienen, beinahe das ganze Röhricht besetzt, und derentwegen meinen sie den See nicht beibehalten zu müssen.“

Jarro würdigte die Katze keiner Antwort mehr, aber er hob den Kopf und schrie Cäsar ins Ohr: „Cäsar! Cäsar! Auf dem Tåkern gibt es noch so viele Enten, daß sie die Luft wie mit Wolken erfüllen, das weißt du wohl! Darum sag, daß es nicht wahr ist! Nein, die Menschen können nicht im Sinn haben, uns heimatlos zu machen!“

Jetzt sprang Cäsar auf und fuhr so heftig auf Klaurina los, daß diese sich auf ein Wandbrett flüchten mußte. „Ich werde dich lehren, still zu sein, wenn ich schlafen will!“ donnerte er sie an. „Natürlich weiß ich, daß es sich darum handelt, den See in diesem Jahre abzulassen. Aber man hat ja schon so oft über diese Sache gesprochen, ohne daß sie je verwirklicht worden wäre. Und dieses Trockenlegen des Sees ist etwas, was ich durchaus nicht billige. Denn wie sollte es mit der Jagd gehen, wenn der Tåkern ausgetrocknet würde? Du bist ein Simpel, wenn du dich über so etwas freust. Was haben wir denn dann noch für ein Vergnügen, wenn es keine Vögel mehr auf dem Tåkern gibt?“

[Der Lockvogel]

Sonntag, 17. April

Ein paar Tage später war Jarro fast hergestellt, und er konnte schon durchs ganze Zimmer fliegen. Er wurde denn auch von der Hausfrau gestreichelt, und der kleine Junge pflückte die ersten hervorsprießenden Grashälmchen für ihn. Während die Hausfrau ihn streichelte, dachte Jarro, obgleich er jetzt wieder so gesund war, daß er, sobald es ihm beliebte, an den Tåkern hätte hinabfliegen können, er wolle sich doch noch nicht von den Menschen trennen, ja, am liebsten möchte er sein ganzes Leben lang bei ihnen bleiben.

Aber eines Morgens in aller Frühe legte die Hausmutter eine Halfter oder Schlinge um Jarro, die ihn am Gebrauch seiner Flügel hinderte, und dann übergab sie ihn jenem Knecht, der ihn damals auf dem Hofe gefunden hatte. Der Knecht nahm ihn unter den Arm und ging mit ihm zum Tåkern hinunter.

Während Jarro krank lag, war das Eis geschmolzen. Das alte vertrocknete Röhricht vom vorigen Jahre stand noch an den Ufern und Holmen, aber alle Wasserpflanzen hatten in der Tiefe Schößlinge getrieben, und die grünen Spitzen reichten schon bis zur Oberfläche des Wassers. Und jetzt waren fast alle Zugvögel zurückgekehrt. Die gebogenen Schnäbel der Scharben sahen aus dem Schilf hervor, die Taucher schwammen mit einem neuen Halskragen umher, und die Bekassinen sammelten eifrig Stroh zu ihren Nestern.