„Ich werde deinen Rat befolgen,“ sagte Cäsar, „aber ihr steht mir dafür ein, daß Per Ola kein Leid geschieht.“
Indessen hatten die Leute auf dem Hofe Per Ola vermißt und nach ihm gesucht. Sie suchten in den Wirtschaftsgebäuden, sahen in den Brunnen hinunter und untersuchten den Keller. Dann suchten sie auf Wegen und Stegen, eilten auch auf den Nachbarhof, um zu hören, ob sich das Kind nicht dahin verirrt habe, und schließlich suchten sie ihn auch am Tåkern. Aber so viel sie auch suchten, Per Ola war nirgends zu entdecken.
Cäsar, der Hund, wußte recht gut, wen die Herrschaft suchte, aber er tat nichts, sie auf die richtige Spur zu leiten. Dagegen lag er ganz ruhig da, als ob ihn die Sache gar nichts anginge. „Es kann euch Menschen nichts schaden, wenn ihr einmal ein paar Stunden lang in Sorge seid,“ dachte er. „Per Ola geschieht da draußen nichts Böses, und den andern gönne ich es, wenn sie ordentlich Angst ausstehen.“
Später am Tage entdeckte man Per Olas Fußtapfen drunten am Bootschuppen. Und dann merkte man, daß der alte lecke Kahn nicht mehr am Ufer lag. Da begann man zu verstehen, was geschehen war.
Der Hausherr und die Knechte schoben sogleich die Boote ins Wasser und fuhren hinaus, den Jungen zu suchen. Bis spät am Abend fuhren sie auf dem Tåkern umher, ohne auch nur einen Schein von ihm zu entdecken. Da konnten sie sich nichts andres denken, als daß das alte Fahrzeug gesunken sei und das Kind nun tot auf dem Grunde des Sees liege.
Am Abend wanderte Per Olas Mutter ruhelos am Strande hin und her. Die andern waren alle überzeugt, daß Per Ola ertrunken sei, sie aber konnte es nicht glauben und suchte und suchte unaufhörlich. Sie suchte zwischen Schilf und Binsen, sie wanderte auf dem sumpfigen Strand umher, ohne zu beachten, wie tief ihre Füße einsanken und wie naß sie wurden. Sie war am Verzweifeln, und das Herz tat ihr unsäglich weh. Sie weinte nicht, aber sie rang die Hände und rief mit lauter, klagender Stimme nach ihrem Kind.
Rings herum hörte sie die Klagen der Schwäne und Enten und Brachschnepfen. Ihr war, als wanderten alle klagend und jammernd hinter ihr drein. „Sie haben gewiß einen Kummer, weil sie so jammern,“ dachte die Mutter. „Aber es sind ja nur Vögel,“ dachte sie weiter, „die haben sicherlich keinen Kummer.“
Aber wunderbar war es doch, daß die Vögel jetzt nach Sonnenuntergang noch nicht verstummt waren. Sie hörte, wie alle diese unzähligen Vogelscharen, die rings um den Tåkern wohnten, nacheinander ihre Klagerufe ertönen ließen. Mehrere liefen hinter ihr her, andre sausten auf raschen Flügeln an ihr vorüber, alle jammerten und klagten.
Und die Angst, die sie selbst quälte, öffnete ihr das Herz. Ihr war, als stehe sie allen den andern lebenden Wesen gar nicht mehr so fern, wie dies bei den Menschen sonst der Fall zu sein pflegt. Viel besser als je vorher verstand sie, wie es den Vögeln zumut sein müsse. Auch sie hatten ihre tägliche Sorge für Haus und Kind. Es war wohl gar kein so großer Unterschied zwischen den Vögeln und den Menschen, wie sie bisher geglaubt hatte.